Bei welchen Geschichten hältst du dir die Ohren zu?

Ein Schnitt im Finger, ein gerammter Zeh oder kribbelige Insekten - manchmal erzählt jemand von etwas, das man einfach nicht hören kann, ohne dass es einen schüttelt. Wann musst du dir die Ohren zuhalten?
nadja-schlueter

In der jetzt.de-Redaktion tragen gerade zwei Menschen ein Pflaster um einen Finger, weil sie sich beim Gemüseschneiden die Fingerkuppe ab- oder zumindest sehr tief angeschnitten haben. Einer dieser Menschen bin ich selbst. Und da fiel mir beim Erzählen der eigenen sowie beim Lauschen der anderen Verletzungsgeschichte auf, dass die Zuhörer allesamt sehr aufgeregt darauf reagierten. Sie riefen „Aua, auweh!", sogen mit gefletschten Zähnen und einem zischenden Geräusch die Luft ein, schüttelten sich oder schlugen gar die Hände vors Gesicht oder um die Ohren.

Default Bild

Illustration: Julia Schubert



Das erinnerte mich daran, wie meine frühere Mitbewohnerin sich immer duckte und die Ohren zuhielt, wenn man davon berichtete, man habe sich gerade den Zehn unter die Türe gerammt und das schmerze doch sehr. Eine Geschichte, mit der man ebenfalls immer Entsetzenslaute und Versteck- oder Flucht-Bewegungen auslösen kann, ist die einer Bekannten, die sich die Augen hat lasern lassen und anschließend sehr detailliert erklärte, wie die Operation abgelaufen war. Bei den meisten Menschen sorgen solche Aussagen und Berichte wohl für eine Art Stellvertreterschmerz oder zumindest für Ekel, ganz unabhängig davon, ob sie das Problem kennen (Zeh rammen) oder noch nie damit konfrontiert wurden (Augen lasern).

Welche Geschichten lösen bei dir eine Abwehrreaktion aus? Haben sie etwas mit umgeknickten Fingernägeln oder angestoßenen Knien zu tun? Wird dir jedes Mal schlecht, wenn jemand erzählt, er habe sich übergeben müssen, oder kannst du es einfach nicht ertragen, wenn jemand von Insekten spricht, weil du sie dann überall krabbeln spürst? Wann hältst du dir die Ohren zu? 

Text: nadja-schlueter - Foto: geberle / photocase.com

  • teilen
  • schließen