Brauchst du einen persönlichen Assistenten?

Und würdest du dir dafür einen Butler in Indien bestellen?
fabian-fuchs

Noch vor hundert Jahren gab es sie in jedem größeren Privathaus: Dienstboten, persönliche Angestellte, Hauspersonal. Jeder, der es sich leisten konnte, hatte Menschen zum Kochen, Kinder hüten, Kutsche fahren in Reichweite. Heute ist derart persönliche Betreuung den Reichen vorbehalten und wird meist hinter hohen Hecken versteckt. Schon wer eine Putzkraft für sein Zuhause beschäftigt, plagt sich mit schlechtem Gewissen, schließlich sind wir überwiegend dazu erzogen worden, in unseren eigenen vier Wänden alles selber zu machen. In der Berufswelt gilt das natürlich nicht – hier wird outgesourcet wo es nur geht, für jede Aufgabe gibt es Dienstleister und Servicekräfte, die in globalisiertem Bewusstsein auch oft dort angeheuert werden, wo sie am günstigsten sind. Und genau über diese Methode scheint auch der persönliche Assistent wieder en vogue zu werden. Jedenfalls bietet die AgenturGetFriday seit einiger Zeit einen persönlichen Assistenten an - zwar über das Internet, aber den Assistent gibt es wirklich. Er sitzt in Indien und erledigt zum Beispiel für Briten und Amerikaner alle Aufgaben, die online und telefonisch zu erledigen sind: Briefe und Ablage sortieren, Termine erinnern, Reiseplanung, Einkäufe und Erledigungen recherchieren, Telefonate übernehmen und auch den morgendlichen Weckruf oder die gute Nachtgeschichte für die Kinder am Telefon. All das und viel mehr macht der Assistent in Indien und steht dafür mitten in der Nacht auf. Der semi-persönliche Service kostet 245 Euro pro Monat für 40 Stunden Butler in Bangalore. Ein Angestellter von GetFriday betreut bis zu zehn Kunden gleichzeitig und bekommt dafür einen Lohn, der bei ihm einem guten Einkommen entspricht. Eigentlich wurde die Agentur als Service nur für indische Geschäftsleute eingerichtet – erst die Anfrage eines Amerikaners brachte die globale Bemutterung ins Rollen. Heute kann sich die Firma nach eigenen Angaben vor Anfragen kaum retten, über 200 Mitarbeiter erledigen die Aufgaben ihrer fernen Vorgesetzten, anfangs waren es nur 15. Und immer mehr Firmen übernehmen die Idee, auch Privatpersonen Zugriff auf billige Arbeitskräfte zu verschaffen. GetFriday bildet seine Mitarbeiter gerade in anderen Sprachen aus, demnächst sollen so auch Deutsche ihre Steuerunterlagen in Indien sortieren lassen können. Was hältst du von diesem Modell? Ausbeutung oder eigentlich eine Win/Win-Situation? Wo wird diese Entwicklung hinführen? Was müsste ein persönlicher Assistent für dich erledigen, welche Arbeit würdest du gerne abgeben? Wäre es dir unangenehm, wenn dich jemand immer bedienen würde oder bist du mit Personal aufgewachsen?

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