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Das erste Jahr in Freiheit

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Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat beschlossen, die finanzielle Unterstützung für den Freiwilligendienst weltwärts ab kommendem Jahr massiv zurückzufahren. Statt der bisher veranschlagten 70 Millionen Euro wird es wohl auf eine Summe von etwa 30 Millionen Euro herauslaufen, von denen jedoch zwei Drittel bereits für die noch laufenden Stellen verplant sind. Die genauen Zahlen sind dabei auch eher nebensächlich. Klar ist jedenfalls, dass die mitunter massive Kritik an dem mit großen Ambitionen gestarteten Projekt weltwärts ihre Spuren hinterlassen hat.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Die damalige Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) bei der Vorstellung des entwicklungspolitischen Freiwilligendienst weltwärts. An vorderster Front dürfte hier Egotrip ins Elend stehen, der inzwischen hinreichend bekannte Verriss des weltwärts-Projekts im SZ-Magazin. Diese vernichtende Kritikschrift sorgt immer noch für kontroverse Diskussionen auf den Vorbereitungsseminaren für die Freiwilligen, die sich über Sinn und Unsinn ihres Engagements den Kopf zerbrechen. Auch die Initiative Bonner Aufruf, bereits seit langem für ihre Kritik an der deutschen Entwicklungspolitik bekannt, plädiert für das Ende der Förderung und stößt damit ins gleiche Horn wie Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck und der frühere Entwicklungsexperte der Unions-Bundestagsfraktion, Winfried Pinger. Im Mittelpunkt der Kritik steht dabei der mangelnde Nutzen für die Partnerländer. Weltwärts sei zwar durchaus ein Hilfsdienst, aber die Freiwilligen würden dabei in erster Linie sich selbst helfen, so heißt es. Ein Jahr im Ausland mache sich gut im Lebenslauf, den Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika bringe es dagegen rein gar nichts. Auf weltwärts-news.de, einem inoffiziellen weltwärts-Freiwilligenportal wird dazu Stellung genommen und die fundamentale Breitseite zumindest in Teilen zurückgewiesen. Man könne die Wirkung von weltwärts nicht nach klassischen Maßstäben der Entwicklungsarbeit messen, der Erfolg sei nicht unmittelbar in gebauten Brunnen, Schulen oder Brücken ersichtlich. Freiwilligendienste stellten eben keine direkten Hilfsleistungen, sondern seien Lerndienste, deren Erfolg sich erst nach Jahren und Jahrzehnten zeige. Dann nämlich, wenn die Erfahrungen der Freiwilligen zu langfristigem Engagement führe und so perspektivisch viel mehr erreicht werde als durch einmalige Zuschüsse. Dessen ungeachtet bestünden aber weiterhin einige, nicht von der Hand zu weisende Kritikpunkte. Es müsse eine Art "umgekehrtes" weltwärts geschaffen werden, also ein Freiwilligendienst für Jugendliche aus Entwicklungsländern in Deutschland, denen bisher aufgrund von VISA-Beschränkungen die Einreise verwehrt bleibt. Auch die Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen vor Ort sei teilweise noch verbesserungswürdig, zudem erfüllten einige der anerkannten weltwärts-Projekte noch nicht alle geforderten Kriterien. Deutlich ausführlichere und sehr lesenswerte Kommentare zu diesem Thema kommen von

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