Das Impulsreferat zum Anziehen

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Ich habe mir vergangenen Winter einen Kapuzenpulli gekauft, der eigentlich ein bisschen mehr ist als einfach nur ein Kapuzenpulli. Erstens ist er aus Schafswolle und deshalb ziemlich angenehm zu tragen. Zweitens – und das ist das deutlich sichtbare Alleinstellungsmerkmal – schmückt ihn nicht nur eine Kapuze, sondern eine Art zum Schal erweiterter Kragen. Man kann sich diesen Schalkragen um den Hals schlingen und dann die Kapuze drüber ziehen, oder umgekehrt die aufgesetzte Kapuze mit dem Schal umwickeln.

Das sieht gut aus, aber auch etwas ungewöhnlich. So ungewöhnlich, dass ich ständig auf meinen Pulli angesprochen werde. „Was ist das denn für’n raffiniertes Teil?“ „Ist das jetzt ein Schal oder ein Kragen?“ „Wo hast du denn diesen Pulli her?“ „Ist dieser Schalkragen nicht unpraktisch, wenn man Suppe isst?“

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Illustration: Julia Schubert



Am Anfang fühlte ich mich ziemlich geschmeichelt durch all diese Fragen, bewiesen sie doch, dass ich ein besonderes Kleidungsstück trug und kein H&M-Allerweltsteil. Manchmal war es mir auch ganz recht, dass mein Pulli als eröffnendes Element für einen Smalltalk diente. Mittlerweile aber ist es ein bisschen müßig geworden, jedem, der mich zum ersten Mal in diesem Pullover sieht, dessen Herkunft, Preis und Funktionsweise erläutern zu müssen.

Heute stellte sich heraus, dass es einer Kollegin genauso geht. Sie trägt zwar keine Schalkapuzenpullis, sondern hat sich ein paar Raglan-Shirts gekauft. Trotzdem wird sie jedes Mal, wenn sie eines davon trägt, in ein Gespräch darüber verwickelt.

Hast du auch ein Kleidungsstück, auf das dich alle ansprechen? Wie sieht es aus? Unterhältst du dich gerne darüber oder nervt es dich, dass du ein Impulsreferat am Körper trägst und ständig darüber diskutieren musst?

Text: christian-helten - Foto: kleinebärin / photocase.com

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