Der Anti-Tier-Ticker

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Er war klein und gelb und getarnt wie ein Chamäleon. Nur durch Zufall entdeckte ich ihn auf der Türe unserer Bambus-Bungalows sitzend. Gerade in dem Moment, als ich nach der Türe griff, um sie zu öffnen, sah ich ihn und hielt inne. Wir waren in den Tropen und deren Fauna ist mir von vornherein etwas suspekt. In den Tropen gibt es die miesesten Lebewesen mit Giftschleim und Bakterienbissen, Würmer, die sich in Wunden hineinfressen und daumendicken Blutegeln. Ich war also vorsichtig und das war mein Glück. Ich nahm einen Stecken und drückte damit leicht gegen den Frosch. Er zeigte keine Reaktion, er blieb einfach sitzen. Ich drückte fester. Er gab ein wenig nach wie ein Wackelpudding und schwappte aber gleich wieder zurück. Er versperrte mir den Weg zu unserem Bungalow. Ich drückte fest, richtig fest: Stecken auf weichen Froschkörper. Plötzlich machte das Tier einen Satz, hüpfte via Terrasse in den Mekong und verschwand. Auf Tür und Boden aber hatte das Mistvieh eine Giftspur ausgespuckt, von der ich später las, sie mache den Gegner blind. Ich kann diesen Text nur schreiben, weil ich den Stecken benutzte, um das boshafte Lebewesen zu vertreiben. Wäre ich ihm nähergekommen, wäre ich jetzt blind. Seit diesem Tag habe ich ein gestörtes Verhältnis zu Fröschen. Das ist untertrieben: Ich hasse sie. Ich kann Frösche auf den Tod nicht leiden. Meiner Meinung handelt es sich bei dieser Spezies um eine vollkommen überflüssige, hässliche und obendrein noch boshafte Laune der Evolution. Nahrungskette hin oder her – von mir aus können Frösche sofort aussterben. Ich weine ihnen keine Träne nach. Welches Tier gehört deiner Meinung nach verboten?

Text: maria-freilich - Foto: dpa

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