Der Boulevard-Ticker

Sich über die BILD-Zeitung aufzuregen, gehört zum guten Ton. Aber warum eigentlich?
maria-freilich

Erst am vergangenen Wochenende schickte die BILD-Zeitung die „Scheinbomber“ nach Italien. Bei der Wortschöpfung mit martialischem Anklang handelte es sich um Zeitungsleser, die mit einem von der BILD-Zeitung ausgestatteten Lotto-Schein nach Italien geflogen wurden, um den dortigen Jackpot zu knacken.

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Illustration: Julia Schubert

Die Aktion ist ein bisschen gaga, ein bisschen niveaulos und doof, aber gleichzeitig eng an den Bedürfnissen und Wünschen der Leser. Typisch BILD also. Die Zeiten, in denen die Springer-Presse gegen Studenten hetzte, Ausländerfeindlichkeit schürte und die niedersten Instinkte der niedersten Bevölkerungsschichten ansprach, scheinen vorbei zu sein. Und genauso antiquiert kommt es mir manchmal vor, sich über die BILD-Zeitung aufzuregen. Wer die Zeitung blöd findet, muss sie ja nicht lesen. Die meisten Menschen, die sie regelmäßig lesen, würden wahrscheinlich ohne die BILD überhaupt keine Zeitung lesen. Mit dem Käseblatt informieren sie sich wenigstens rudimentär über die politischen Ereignisse. Außerdem besitzt die BILD als eine der wenigen deutschen Tageszeitungen ein Redaktionsstatut. Die Unternehmensgrundsätze setzten sich aus fünf Punkten zusammen: 1. Das Eintreten für einen freiheitlichen Rechtsstaat, 2. Bekenntnis zum Staat Israel und zur Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, 3. Bekenntnis zur Westbindung und NATO, 4. Ablehnung von jeglichem Totalitarismus und 5. Bekenntnis zur freien Marktwirtschaft. Man kann solche Grundsätze prinzipiell kritisieren, aber dann sollte man auch nur kurz darüber nachdenken, was wäre, wenn 11,5 Millionen Leser täglich eine Zeitung lesen würden, die sich nicht so deutlich zur Demokratie bekennt. Auf der anderen Seite arbeitet die Zeitung noch immer auf niedrigem Niveau und verletzt oft die journalistische Sorgfaltspflicht. (Seiten wie bildblog.de kritisieren das zum Glück). Seit 1987 erhält die Zeitung regelmäßig die meisten Rügen vom Presserat. Wie findest du die BILD? Liest du sie? Regst du dich darüber auf?

Text: maria-freilich - Foto: dpa

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