Der „Hochmut kommt vor dem Fall“-Ticker

Der neue Henckel von Donnersmarck-Film wird von der Kritik zerrissen. Hast du Mitleid mit dem Regisseur?
anna-kistner

Manchmal kann eine Filmkritik unterhaltsamer sein als der Film, den sie beschreibt. Das neue Werk des deutschen Oscar-Preisträgers Florian Henckel von Donnersmarck ist ein gutes Beispiel für eine solche Ausnahmesituation.

Seit seinem Erstlingswerk "Das Leben der Anderen", für das er vor vier Jahren mit Lob und Preisen überschüttet wurde, hat Donnersmarck keinen Film mehr gedreht. Dafür ist er nach Hollywood ausgewandert, hat viel mit Brad Pitt telefoniert und sich am Ende breit schlagen lassen, das Drehbuch und die Regie von "The Tourist" zu übernehmen. Am Dienstag hat der romantische Thriller mit Angelina Jolie und Johnny Depp in den Hauptrollen Europapremiere in Berlin. Die Kritiken sind derart vernichtend, dass sie wiederum fast Lust machen, diese, nach Meinung des Wall Street Journals, "jämmerlich verpfuschte Mystery-Abenteuer-Thriller-Gauner-Romanze-Komödie, oder was immer es sein sollte", anzuschauen. Auch wenn sie, wie der Kritiker weiter ausführt, "kein bisschen Spaß macht."

Wer Freude an der Lektüre vernichtender Worte hat, konnte auch in den deutschen Zeitungen allerhand Unterhaltendes finden: "Donnersmarck als Totalausfall", "lachhafter Schluss", "Mangel an Spannung", "stimmungsloses Licht", "die langsamste und unbeholfenste Verfolgungsjagd der jüngeren Filmgeschichte" und "nichtssagende Sätze, die den beiden Hauptdarstellern aus dem Mund plumpsen wie festkochende deutsche Saatkartoffeln". In dem Verriss des SZ-Kritikers Tobias Kniebe findet sich kein einziges lobendes Wort über Henckel von Donnersmarck. "Was kann er wirklich?", fragt der Kritiker schon zu Beginn seines Textes.

Natürlich ist es nicht besonders fein, sich am Misserfolg im Leben der Anderen zu erfreuen. Es fällt allerdings auch schwer, Florian Henckel von Donnersmarck zu bemitleiden. Nach seinem Oscar-Gewinn trat er alles andere als bescheiden oder gar dankbar auf. In einem Interview mit der FAZ beschrieb er kürzlich seine Entscheidung, Regisseur zu werden, so: "Okay, gut. Ich gehe jetzt also zum Film, und ich werde nie einen niedrigeren Standard akzeptieren als den hier." Es musste Hollywood sein. Immer schon. Sein Reinfall mit "The Tourist" wirkt ein bisschen wie die gerechte Strafe für einen, der Aufstiegswillen mit Hochmut verwechselt hat.

Nach aller Schadenfreude über so viel Kritikerhäme ist jetzt aber Ehrlichkeit und auch ein bisschen Selbstkritik gefragt. Gab es Momente in eurem Leben, in denen ihr euch übernommen habt? Situationen, in denen euch der Hochmut am Ende zu Fall gebracht hat? Seid ihr nicht auch schon mal an den eigenen, zu hohen Ansprüchen gescheitert? Und wenn ja: Wird das Mitleid für den armen Florian Henckel von Donnersmarck schon größer? 

  • teilen
  • schließen