Der Lebensentwurf-Ticker: Was bist du - Chef oder Chiller?

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In den Zwanziger Jahren besangen die Comedian Harmonists das Ideal, das wir noch heute von dem Abschnitt zwischen Freitag Abend und Montag morgen besitzen. Ach, Wochenende. Du Hort der Ruhe, des endlosen Ausschlafens, gediegenen Einkaufens, kultivierten Wegknallens! Das Wochenende, wie wir es schätzen und brauchen, liegt in einer anderen Zeitzone. Es sind die zwei Tage in der Woche, die wir vollkommen sorglos mit unseren Familien, Liebhabern, Freunden oder uns selbst verbringen können. Die 48 Stunden, in denen wir uns der Regeneration widmen, die uns durch die Montag bis Freitag-Zone bringen muss. Das allerdings dauert nur so lange an, wie wir nicht den Beruf ins Zentrum unseres Lebens stellen. Menschen, die Karriere machen, Chefs werden wollen oder es schon sind, haben nämlich Glück, wenn sie an einem Tag der Woche nicht arbeiten müssen. Und meistens tun sie das auch, wenn sie keiner dazu verpflichtet. Der Bestimmer oder die Bestimmerin eines Unternehmens zu sein, bringt nämlich nicht nur: - mehr Geld - ein hübscheres Büro - einen Assistenten Mit sich. Sondern eben auch: Viel, viel mehr Stress und Arbeit und Druck. Chefs nehmen meist weniger Urlaub als ihre Angestellten und selbst wenn sie weg sind, dürfen sie ihr Unternehmen nie vergessen. Was heißt dürfen, die wenigsten können das überhaupt. Erfolgsdruck essen Entspannung auf. Oder Politiker: Wann haben die denn mal Urlaub? Nie, wenn man mal ehrlich ist. Selbst in der Sommerpause fahren sie ihre wahlkreise ab und reden mit dem Volk. Dafür haben sie aber auch die Entscheidungsmacht.

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Illustration: Julia Schubert

Echte Freizeit sieht anders aus Die Frage ist: Lohnt es sich, eine Karriere anzustreben? Ist man nicht der wirklich ganze Mensch, wenn man statt mehreren Abteilungen unter sich, nach Feierabend die Arbeit immer hinter sich hat? Oder hat man es dann verpasst, das meiste aus sich heraus zu holen? Wie geht es dir: Findest du, dass es zu einem erfüllten Leben gehört, im Beruf so weit wie möglich zu kommen? Möchtest du gerne an die Spitze? Oder ziehst du es vor, gemächlich vor dich hin zu machen und lässt die anderen den Ton angeben und damit auch den Druck auf sich nehmen?

Text: meredith-haaf - Bild: AP

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