Der Papst auf Tour

Benedikt kommt nach Deutschland, zum ersten Mal nicht privat, sondern richtig offiziell. Aber irgendwie scheints niemand wirklich zu interessieren.
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Illustration: Julia Schubert



Der Papst kommt!

Dieser Meldung kann man sich in diesen Tagen nicht entziehen, überall wird man darauf vorbereitet, dass Papst Benedikt Ende September nach Deutschland kommen wird. Nur so wirklich will ihn anscheinend niemand dahaben – abgesehen von ein paar Bischöfen und natürlich unserem Altkanzler Helmut Kohl, der ihn in diesen Tagen persönlich treffen wird. Aber sonst? Viele Bundestagsabgeordnete haben bereits angekündigt, dass sie die Papst-Rede im Plenum boykottieren werden. Besonders die strikte Sexualmoral der katholischen Kirche stößt bei den deutschen Abgeordneten auf wenig Gegenliebe. Aber auch in der Bevölkerung sieht es nicht sehr rosig aus: Seit den Missbrauchskandalen gab es erstmals mehr Kirchenaustritte als Taufen, und laut einer Forsa-Umfrage ist es sowieso 86 Prozent der Deutschen ziemlich egal, ob der Papst kommt oder eben nicht.

Trotzdem wurden für die Zeit des Aufenthaltes viele Treffen und Großveranstaltungen organisiert: Benedikt soll zum Beispiel im Berliner Olympiastadion, auf dem Erfurter Domplatz und am Freiburger Flughafen Gottesdienste halten. Und diese Veranstaltungen sollten besser ein Erfolg werden, denn immerhin lässt sich die Kirche den ganzen Spaß knapp 30 Millionen Euro kosten. Schon wieder so ein Punkt: 30 Millionen Euro für vier Tage Schnelltour durch Deutschland, während in Ostafrika täglich dutzende Menschen verhungern und verdursten. Aber hier die Beruhigung für alle Skeptiker: Für Afrika soll während den Gottesdiensten Geld gesammelt werden. Und überhaupt darf man das doch gar nicht so rechnen, immerhin ist der Papstbesuch ein Glaubensfest, und das kostet nun mal Geld. So argumentiert die Kirche. Aber auch Deutschland investiert in den Besuch aus dem Vatikan: Über 4000 Polizisten werden in diesen Tagen im Einsatz sein.

Und während sich die Deutschen trotz allem irgendwie noch nicht so wirklich klar darüber sind, wie sie das denn jetzt überhaupt finden, dass der Papst kommt, werden fleißig Postkarten und Kaffeetassen mit Benedikts Konterfei gedruckt.

Was hältst du von der ganzen Hysterie um den Papstbesuch? Ist das gerechtfertigt? Würdest du selbst so eine Großveranstaltung besuchen?


Text: julia-siedelhofer - Foto: dpa

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