Die Vergessenen

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Das Internet ist dazu da (jedenfalls ein großer Teil davon), um Zeit zu vertrödeln. Das war auch vor Facebook schon so. Auch da wollte man schon Freunde finden oder einfach Leute, die dieselbe Band gut oder schlecht finden. Man wollte mit Gleichgesinnten fachsimpeln oder sich über irgendwelchen Blödsinn austauschen oder einfach nur irgendwo dabei sein, wo andere nicht dabei sein durften.

Früher hätte sich in diesen Brillengläsern vielleicht was anderes gespiegelt.

Nur sind die meisten Orte im Netz, an denen man all das tat, mittlerweile von Zuckerbergs blauem Netzwerk geschluckt worden. Sie sind weg oder dümpeln noch irgendwie vor sich hin, größtenteils in Vergessenheit geraten. Es fällt einem schwer zu glauben, dass man da mal jeden Tag vorbeigesurft ist.

Nehmen wir mal die Lokalisten: Münchner Freundes-Stammbäume in grellem Grün, die eine zeitlang ziemlich wichtig für junge Münchner waren und irgendwann auch in anderen Städten die Menschen im Netz verbanden. Ich war da eine Weile sehr oft, und viele andere auch: Das Netzwerk war so erfolgreich, dass ProSieben irgendwann zuschlug und das Netzwerk kaufte. Bestimmt nicht die beste Investition, denn jetzt interessiert sich keiner mehr dafür.  

Wenn man sich mal kurz umhört, hat fast jeder so eine Vergangenheit vor Facebook: Der Kollege J., der alte Vorreiter, surfte schon auf Uboot.com herum, das 1999 gegründet wurde. Der Herr Praktikant war mal ziemlich oft im Chat von Pafnet.de zu finden, der „Online-Community für die Region Pfaffenhofen“. Und die Kollegin K. trieb sich im Chat von Radio Energy herum.   

Und du? Wo warst du, bevor du bei Facebook warst?


Text: christian-helten - Foto: afp

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