Drei, zwei, eins - evakuiert!

Die komplette Süddeutsche Zeitung musste gestern wegen einer Fliegerbombe evakuiert werden. Was würdest du mitnehmen, wenn du innerhalb weniger Sekunden entscheiden müsstest, was dir wichtig ist?
charlotte-haunhorst

Eigentlich war gestern in der jetzt.de-Konferenz alles wie immer: Eine kurze Magazinkritik, danach trugen alle ihre Themen für den Tag vor. Nur am Ticker-Thema hingen wir ein wenig fest. "In der SZ steht eine Studie die besagt, dass Beziehungen länger halten wenn man Streitthemen ausschweigt" schlug jemand vor. In dem Moment knackte es im Raum. Dann kam eine Stimme von der Decke: "Achtung, Evakuierungsalarm für das Bauteil Hochhaus" sagte sie. Über diese umständliche Formulierung mussten wir alle, von diversen Probe-Feueralarmen bereits abgestumpft, dann doch eher kichern. Was danach allerdings kam, klang ernst: In der Nähe des Hauses war eine Fliegerbombe gefunden worden, die nun entschärft werden musste. In kürzester Zeit sollten alle unten sein.

Schnell griff ich nach meiner Umhängetasche. Da war eh noch alles vom Morgen drin. Im Hinterkopf hatte ich immer die Stimme meiner Grundschullehrerin, die beim Feueralarm immer sagte: "Lasst alles liegen. Wenn es wirklich brennt, sind eure Sachen nicht wichtig." Auf dem Flur sammelten sich bereits die Kollegen. Mails mit Themen ausdrucken? Jans Skateboard einpacken? Eher nicht.

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Illustration: Julia Schubert


Manchmal muss man schnell Entscheidungen treffen. Was würdest du dann mitnehmen?

Unten angekommen standen dann bereits Menschen in gelben Warnwesten bereit, und wiesen uns den Weg. Die Fahrräder vom Vorplatz holen war nicht mehr erlaubt, genauso wenig, das Auto aus der Tiefgarage. "Das scheppert hier richtig, wenn die Bombe hochgeht", kommentierte einer der Warnwesten-Menschen. In dem Moment war ich froh, keine persönlichen Wertgegenstände im Büro zu haben.

Um 15 Uhr kam dann die Entwarnung: Die Bombe war entschärft worden. Kein Knall wie letztes Jahr an der Münchner Freiheit. Aber in der Konferenz kam ziemlich schnell die Frage auf: Was hätte man denn mitgenommen, wäre das Ganze zuhause passiert? Habt ihr das vielleicht schonmal erlebt, dass ihr von einer auf die andere Sekunde entscheiden musstest, was euch lieb und teuer ist? Was habt ihr da eingepackt? Und auch wenn ihr bisher unbehelligt von Evakuierungen leben konntet - was wären theoretisch die drei Dinge, die in der Hektik noch unbedingt eingepackt würden?


Text: charlotte-haunhorst - Bild: photocase.com / qsus

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