Ein Ticker zum guten Humor

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VW war überrascht. Da wollten Sie zum Superbowl einen besonders schönen Wohlfühl-Werbespot drehen und nun das: Nach der Vorabveröffentlichung auf YouTube werfen kritische Stimmen ihnen Rassismus vor und fordern, dass der Spot eingestellt wird.

Die Idee sollte eigentlich lustig sein: Ein weißer Mann aus Minnesota namens Dave sieht genauso spießig aus wie seine Bürokollegen. Doch mit einem breiten Grinsen im Gesicht, einem coolen Spruch für jeden und seinem jamaikanischen Akzent möchte er überall gute Laune verbreiten. Warum er so glücklich ist? Weil er VW Beetle-Fahrer ist und mit einer Fahrt in seinem Auto selbst der schlimme Chef zum Chiller wird. Die Botschaft: get in, get happy!

Happy sind einige Amerikaner darüber aber überhaupt nicht. "Das ist ziemlich schrecklich", sagte Ricki Fairley-Brown, Chef einer multikulturellen Werbeagentur der Zeitung "USA Today". Die Chefin einer weiteren Marketingagentur sagt: "Was hier passiert ist, dass Kultur zu einer Pointe wird und das ist beleidigend". 

Bis gestern Nachmittag wurde das Video über eineinhalb Millionen Mal auf YouTube angeschaut. Dort haben 5.730 User den Werbespot positiv bewertet, nur 300 negativ. Die Entrüstung scheint eher in den Medien stattzufinden. Auf YouTube hält ein Großteil der Kommentatoren die Aufregung für übertrieben. Der Nutzer "fireatsight" schreibt: "So if a guy from Jamaica comes and speaks standard English that would be racist too ya?" Und "Debbie Perry" kommentiert: "I'm Jamaican and I found this ad funny as hell. Corny yes, offensive not in the least ."

 

Das fanden wohl auch die Testpersonen. Laut welt.de wurde der Spot vorab einem breitgefücherten Testpublikum gezeigt – inklusive Jamaikanern. Wie es aussieht, wird der VW-Konzern seine Pläne nicht ändern und den Spot am Sonntag bei dem sportlichen Megaereignis zeigen. Das hofft zumindest Erik Nicolaisen. Der Schauspieler, der für den Spot zu Dave mit dem jamaikanischen Akzent wurde, erzählte der "USA Today", er habe für eine zweite Meinung seinen Schwager gefragt. Der habe den Spot sehr gemocht und er sei Jamaikaner.

 

Der Fall zeigt, dass die Meinungen auseinander gehen und die Grenze schwer zu ziehen ist. Wieso dieses nicht verwerflich ist, jenes aber schon, ist oft nicht eindeutig zu erklären. Vielleicht sollte man vorsichtshalber trotzdem ganz damit aufhören, Witze über andere Kulturen und gesellschaftliche Gruppen zu machen. Allerdings müsste man dann auch Bülent Ceylan, Dave Davis und Mario Barth verbieten – wobei das vielleicht gar nicht so schlimm wäre. Wie siehst du das? Darf man Klischees in Witzen verbraten und sich über andere Kulturen lustig machen? Wo hört bei dir Humor auf und wo fängt Rassismus an? 

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