Hättest du gerne sprechende Kontaktlinsen?

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Das Date läuft schlecht. Er hat ihr nichts zu sagen, sie langweilt sich sichtlich. Er rettet sich in Smalltalk über die besten Burger der Stadt, die es in diesem Restaurant gebe, sie entgegnet, dass sie leider Vegetarierin sei. Sieht aus, als würde das nichts werden. Dann kommen die Wunder-Kontaktlinsen ins Spiel.

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Illustration: Julia Schubert
Sie funktionieren wie eine Art Supercomputer und blenden Informationen aller Art direkt ins Blickfeld ihrer Träger ein. Beim Blick in den Kühlschrank zeigen sie sofort die Temperatur an und dass der Kühlschrank zu 38 Prozent gefüllt ist. Dass in der unteren Tupperbox noch drei Gurken sind, Gesamtgewicht 717 Gramm. Legt der Linsenträger sie auf das Schneidebrett, erscheinen auf der Gurke gelbe Striche, dort, wo er das Messer ansetzen soll. Für genaue Messerführung gibt es Punkte, der Score ist ebenfalls oben in der Ecke zu sehen.   Und in der unangenehmen Date-Situation springt eine in die Linsen integrierte App ein. Wingman heißt sie, und sie macht in Echtzeit Vorschläge, wie der Abend noch gerettet werden kann. Date-Doktor Will Smith ist hier nicht mehr nötig, vor dem inneren Auge erscheinen automatisch Tipps und Handlungsanweisungen für Anbahnung späterer Amorösitäten. 

Das Leben dieses jungen Kontaktlinsenträgers wirkt wie ein Computerspiel, die Gamification hat Einzug in alle seine Lebensbereiche gehalten. Dieses Leben ist nur Fiktion, der Kurzfilm "Sight" ist ein Abschlussprojekt von Studenten der Bezaleal Academy of Arts in Jerusalem. Aber die Vorstellung solcher Technologie fasziniert die Menschen offenbar: das Video hat im Netz bereits einige Aufmerksamkeit erhalten. Und ganz realitätsfern ist ihre Vision nicht. Google gab vor einigen Monaten bekannt, mit einem hochkarätig besetzten Team an einer Brille zu arbeiten, die ganz ähnliche Funktionen hat. In einem 

Werbevideo sagt das Gestell mit den Supergläsern ihrem Träger, dass die U-Bahn gesperrt ist und verrät einem dann den Fußweg. Sie macht ein Foto und platziert es in den gewünschten sozialen Netzwerken. Sie verrät, ob es für das Konzert, das per Plakat in der Stadt angepriesen wird, noch Karten übrig sind, und natürlich kann man sie dann gleich über das Netz bestellen. Die Brille soll also all die Dinge können, die ein Smartphone auch kann – nur würde man sich mit ihr nicht ständig in Gefahr begeben, gegen einen Laternenpfosten zu laufen, weil man den Blick aufs Telefon gesenkt hat.

Weder die Google-Brille noch die Super-Linsen sind bislang Realität geworden. Selbst wenn Google sie demnächst auf den Markt wirft, könnte es noch dauern, bis solche Technologie in unseren Alltag Einzug hält. Glaubst du, dass sich solche Brillen und Kontaktlinsen durchsetzen würden? Hättest du gerne eine solche Augmented Reality, eine erweiterte Wirklichkeit vor Augen? Wenn ja, wie viel Zusatzinformationen und Gamification könntest du überhaupt verkraften? Nur den U-Bahn-Hinweis? Oder auch die Kochanleitung mit eingeblendeter Schnibbelhilfe und den Date-Doktor? Hättest du gerne im Supermarkt alle Produktinformationen zu den Karotten, die du gerade betrachtest? Wie viel Augmented Reality wünschst du dir? Das Date in dem "Sight"-Video geht übrigens letzten Endes noch schief.

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