Helfen Band-Proteste gegen Homophobie?

Die Band "Frittenbude" hat ihren Auftritt auf dem Chiemsee Reggae Summer Festival abgesagt - angeblich, um ihre Abneigung gegenüber homophoben Künstlern auszudrücken. Ist das nützliche Werbung oder tatsächlich eine gute Idee?
verena-kuhlmann
Default Bild

Illustration: Julia Schubert


Capleton ist für seine homophoben Texte bekannt

Der Sommer ist wieder da und die Festivals auch. Am Wochenende beginnt in Bayern zum Beispiel der Chiemsee Reggae Summer. Allerdings kommen nicht alle angekündigten Bands. Die Münchner Elektropunker "Frittenbude" haben ihren Auftritt auf dem Festival kurzfristig abgesagt. Das sorgt für Chaos bei den Planern und für Enttäuschung bei den Besuchern. Aber die drei Musiker haben einen Grund für die Absage. Auch dieses Jahr wird mit "Capleton" auf dem Sommerfestival wieder ein Reggae-Künstler auftreten, der für seine homophobe Einstellung und seine hetzerischen Texte bekannt ist.  

Schon vergangenes Jahr kam es zu lauten Diskussionen. Damals war es wegen eines Auftritts von "Sizzla", eines umstrittenen Künstlers aus Jamaika, der letztendlich abgesagt wurde. Unter Reggae-Künstlern gilt die stark ausgeprägte Homophobie schon lange als großes Problem. Frittenbude wollen nach eigenen Angaben mit der Absage ein Zeichen setzen: Die Band will auf keinem Festival auftreten, auf dem auch homophobe Künstler erwünscht sind.   

Diese noblen Beweggründe werden von Seiten des Veranstalters jedoch angezweifelt. Das Line-up stünde schon seit Längerem fest, die Band hätte also schon viel früher absagen können und auch müssen, heißt es. Den drei Musikern wird deshalb nun unterstellt, die Aktion sei reine Eigen-PR.   

Was hältst du davon? Findest du eine solche Geste gegen Homophobie gut? Glaubst du, die Band will wirklich nur Eigen-PR betreiben? Und denkst du, dass so eine Absage etwas am Problem ändern wird?

Text: verena-kuhlmann - Foto: afp

  • teilen
  • schließen