Hilfe, ich höre mich denken!

Wie oft wünschen wir uns ein bisschen mehr Zeit für uns selbst? Ständig! Aber was passiert, wenn wir diese Zeit wirklich bekommen? Eine Studie zeigt: Wir verpassen uns lieber Elektroschocks, als uns mit unseren eigenen Gedanken zu beschäftigen. Wie gut kannst du mit dir alleine sein?
teresa-fries

Bevor du diese Frage beantwortest, nimm dir Zeit für ein kleines Morgenexperiment: Such dir den Raum in der Wohnung, in dem du am wenigsten Ablenkung hast: die Toilette, die Abstellkammer oder einen Wandschrank zum Beispiel. Stelle deinen Handywecker auf 15 Minuten und lege das Handy VOR die Tür. Dann setz dich, bis der Wecker klingelt, (ohne einzuschlafen!) und tue gar nichts. Kein Herumzupfen am Schlafanzug, kein Zöpfeflechten, einfach nur stillsitzen und denken. Na, wie einfach ist das?

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Illustration: Julia Schubert



Dass diese Aufgabe zu einer echten Qual werden kann, zeigt eine Studie von Wissenschaftlern der University of Virginia. Die baten ihre Probanden nämlich genau darum: sechs bis 15 Minuten einfach mal nichts tun. Gar nichts. Den meisten fiel diese Aufgabe unfassbar schwer. Das Ergebnis einer Versuchsrunde aber war besonders erschreckend: Den Probanden wurde im Voraus ein Stromschlag verpasst. Viele hätten eingewilligt, fünf Dollar zu zahlen, um nicht noch einmal geschockt zu werden. Danach wurden sie wieder gebeten, eine Viertelstunde lang nichts zu tun, hatten aber die Möglichkeit, sich selbst einen Elektroschock zu geben. Das Resultat: 25 Prozent der Frauen und 67 Prozent der Männer gaben sich in der Zeit mindestens einen elektrischen Schlag. Einfach so. Ein Proband sogar 190 in den 15 Minuten. 

Aber wieso finden wir es so schlimm, uns mit dem Inhalt unseres Hirns zu beschäftigen? Sind unsere Gedanken zu schlechte Gesprächspartner für interessante Monologe oder auch nur einen inneren Small-Talk? Oder nutzt unser fieser Verstand solche Situationen einfach gnadenlos aus, um uns mit allen Problemen und weltphilosophischen Fragen auf einmal zu nerven, die wir sonst durch das Reizüberflutungs-Dauerfeuer sehr gut verdrängen können? Wie würde der Versuch bei dir ausgehen? Bist du in der Lage, dich entspannt deinen Gedanken zu widmen, oder würdest du dir nach drei Minuten schon einen Elektroschocker herbeisehnen? Warum glaubst du, können wir nicht mehr in Ruhe gar nichts tun? Und welche Gedanken befallen dich, wenn du es doch versuchst?


Text: teresa-fries - Foto: photocase.com / tobeys

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