Mehr Schiedsrichtermaschinen?

Die Fifa hat entschieden: Wembley-Tore wird es nie mehr geben. Künftig wird die Torlinie von technischen Hilfsmitteln überwacht. Richtig so? Oder war es doch spannender mit Schiedsrichtern und ihren Fehlern?
christian-helten

Drin oder nicht drin – das ist die Frage, um die sich alles dreht, wenn 22 Fußballer dem Ball hinterherrennen. Bastian Schweinsteiger kann ein Lied davon singen; hätte er seinen Elfmeter im Championsleague-Finale in München ein paar Zentimeter weiter nach links geschossen, hätte er einen sehr viel schöneren Sommer gehabt. Immerhin war es hier eindeutig: Schweinsteiger hat das Tor nun mal nicht getroffen. Ungleich mehr geschmerzt haben muss es die Spieler der Ukraine, als sie im EM-Spiel gegen England ein Tor schossen, das der Schiedsrichter nicht zählen ließ. Mit dem bloßen Auge war es schwer zu erkennen, aber nachher in den Zeitlupen konnten die Fans und Spieler des EM-Gastgebers deutlich sehen: Der war drin. Sie haben in dieser Situation nicht versagt, sie haben nicht an den Pfosten geschossen. Sie haben ihn reingemacht, es wäre das 1:1 gewesen, die EM hätte für sie vielleicht nicht an diesem Abend geendet. Das ist Schweinsteiger im Quadrat.

Tore, die nicht zählen, oder Tore, die zählen, obwohl sie keine waren – das hat es immer wieder gegeben im Fußball. Dabei gäbe es längst Techniken, die solche Fehler vermeiden könnten. Zum Beispiel das Hawk-Eye, eine Kamera, die aufzeichnet, ob der Ball hinter der Linie war. Sie kommt schon beim Tennis zum Einsatz, ist aber die teurere Variante (pro Stadion fallen etwa 250000 Euro an). Oder die Variante namens GoalRef, bei dem ein Chip im Ball dessen Position messen kann. Die ist billiger und hätte den Vorteil, dass sie auch dann noch funktioniert, wenn zum Beispiel der Torwart mit seinem mächtigen Torhüterleib auf dem Ball läge und so einer eventuell installierten Kamera die Sicht verdecken würde.

 

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Illustration: Julia Schubert

Den Kameras entgeht nichts - auch kein Knick in der Linie

Die Bundesliga-Schiedsrichter haben sich für den Einsatz solcher Techniken ausgesprochen, FIFA-Chef Sepp Blatter ebenso. Nur der erste Mann des europäischen Fußballs, Michel Platini sträubte sich lange. Er sei gegen Technik im Fußball, sagte er und warf die Frage auf, wo man denn mit dem Einsatz selbiger aufhöre, wenn man jetzt anfange, technische Hilfsmittel einzubeziehen. Wird dann künftig auch eine automatische Abseitserkennungsmaschine eingesetzt? Oder einen Schwalbendetektor?

Am Donnerstag jedenfalls ist endlich eine Entscheidung gefallen. Das International Football Association Board (IFAB), das derlei Regelfragen zu entscheiden hat, kam in Zürich zusammen – und beschloss einstimmig den Einsatz der Torlinientechnologie. Die Verbände der einzelnen Länder sind nicht an das Votum gebunden und können selbst entscheiden, ob und wann sie die Technik einführen. Es ist aber wahrscheinlich, dass sie der großen Fifa folgen.

Was hältst du davon? Findest du es gut, dass es künftig keine Irrtümer an der Torlinie mehr geben kann? Wärst du dafür, noch weitere Technik einzubinden, die den Schiedsrichter entlastet? Oder nimmt es dem ganzen Spiel seinen Reiz, wenn es keine Wembley-Tore mehr gibt, über die man noch Jahrzehnte später diskutieren kann?

Text: christian-helten - Illustration: Torben Schnieber

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