Mit Säge? Mit Gürtel-Dings?

Taschenmesser dürfen wieder in die Flugzeuge! Höchste Zeit, mal wieder über dieses rote Wunderwerk der Technik zu sprechen. Denn da sind ja Sachen dran, die kein Mensch braucht. Oder?
christian-helten
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Illustration: Julia Schubert



Super Nachricht, die da heute in die Redaktionsstuben flatterte: Fluggäste dürfen ihre Taschenmesser wieder im Handgepäck oder in der Hosentasche mitführen, wenn deren Klinge nicht mehr als sechs Zentimeter Länge misst und nicht breiter als 12,7 Millimeter ist.

Das Taschenmesser, von seinen Schweizer Erfindern manchmal auch als – Vorsicht, jetzt gleich pubertär kichern – Sackmesser bezeichnet, ist ja einer dieser Gegenstände, die fast jeder, vor allem jeder Junge, irgendwann mal besitzt. Manche kaufen im Laufe ihres Lebens sogar mehrere, weil so ein Messer leicht verloren geht – wie alles, dessen natürlicher Lebensraum eine Hosentasche ist. Bei jedem Neukauf stellt sich dann von Neuem die Ausstattungsfrage: „Wieder eines mit Säge? Die hab ich beim vorigen Messer nie benutzt, aber man weiß ja nie, wenn man mal irgendwann nach Alaska in die Wälder....“ Oder: „Brauche ich dieses spitze Ding auf der Rückseite, das man anscheinend benutzen soll, um sich neue Löcher in den Gürtel zu bohren?“ (Heute gelernt: Dieses Ding heißt Ahle)  

Die Antwort auf die Frage, was ein Taschenmesser braucht, ist noch dazu einem Evolutionsprozess unterworfen. Das sieht man an den neuen Versionen, quasi den Laserschwertern unter den Taschenmessern, deren Eigentümer wahrscheinlich kaum jemals das Messer benutzen, sich dafür aber über Laserpointer, USB-Stick und Bluetooth-Ausstattung freuen. Außerdem verändert man sich auch selbst: Mit 12 ist einem der Korkenzieher am Taschenmesser nicht so wichtig, das ändert sich aber spätestens auf der Abi-Fahrt nachts am See, wenn man versucht, den Korken in die Flasche zu drücken, weil man das Taschenmesser nur einen Kruezschraubenzieher hat.  

Man kann solchen Entscheidungen entkommen: Indem man sich sich zum Beispiel ein „Wenger Giant Knife“ zulegt, das es mit 81 Werkzeugen ins Guinness Buch der Rekorde geschafft hat. Wiegt halt ungefähr so viel wie ein Kleinwagen und passt garantiert in keine Tasche.   Welcher Taschenmesser-Typ bist oder warst du? Plädierst du für die Deluxe-Ausstattung oder für Minimalismus? Welches Werkzeug ist das wichtigste? Welches hast du nie benutzt? Und welches müssen die Schweizer Messerschmiede bitteschön sofort erfinden? 

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