Am Mittwoch ging schließlich ein Bekennerschreiben beim MDR ein. Eine bis dato unbekannte Gruppe namens „Initiative für ein neues blaues Wunder“ teilte mit, die Verantwortung für den Brandanschlag am Ostermontag zu übernehmen. Nachts waren Unbekannte in den Fuhrpark einer Bundeswehroffiziersschule bei Dresden eingedrungen und hatten mit Brandsätzen 42 Fahrzeuge beschädigt. Es entstand ein Sachschaden von zwei bis drei Millionen Euro. Auf dem linken Nachrichtenportal indymedia.de, postete ein User gestern den vollen Text des Bekennerschreibens. Es beginnt mit den Worten „Schwerter zu Pflugscharen, Panzer zu Gartenscheren! Wenn ihr nicht abrüstet, tun wir es!“ und schließt mit dem Satz „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ Die linksextremistische Gruppe richtet sich gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr und „Militarismus“ im Allgemeinen. Zahlreiche andere Kommentatoren feierten die Straftat mit „Schönes Osterfeuer“ oder „Daumen hoch! Weiter so!“.

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Nun stehen die Leser von Indymedia dem äußeren linken Rand unserer Gesellschaft bekanntlich recht nahe. Allerdings finden sich auch im linksliberalen bis bürgerlichen Milieu klammheimliche Sympathie und Verständnis für eine solche Tat. Knapp 40 Prozent der Deutschen lehnen eine Beteiligung der Bundeswehr an Auslandseinsätzen ab und würde man fragen: „Sind sie gegen Krieg“, käme man wahrscheinlich auf 80 Prozent. Trotzdem ist ein Brandanschlag auf fremdes Eigentum eine eindeutige Straftat und unterscheidet sich von einer rechtsextremistischen Straftat lediglich durch die Art der Motivation. Der Verfassungsschutzbericht 2007 verzeichnet 2765 Straftaten mit linksextremistischem Hintergrund, davon 833 Gewaltdelikte. Die Zahl der Straftaten mit rechtextremistischem Hintergrund liegt bei 17 176. Doch Vorsicht: Rechnet man bei dieser Zahl die Propagandadelikte heraus, zu denen es auf linksradikaler Seite keinen entsprechenden Straftatbestand gibt, kommt man auf 980 Gewalttaten. Die Delikte halten sich also in etwas die Waage. Beide Milieus lehnen die deutsche Gesellschaftsordnung und Wirtschaftssystem ab und schrecken bei der Durchsetzung ihrer Ziele nicht vor Gewalt zurück. Trotzdem scheint es bis in die Mitte der Gesellschaft eine größere Akzeptanz für linke Straftaten zu geben. Vielleicht weil der Rechtsextremismus immer eine exklusive, altbackene und hässliche Komponente besitzt und wir mit der Linken eher Anti-AKW und Friedensbewegung assoziieren. Vielleicht, weil wir bei rechten Anschlägen eher an brennende Menschen als an brennende Autos denken. Siehst du das auch so? Müssen linke Straftaten anders bewertet werden als rechte? Nehmen wir linke Gewalt nicht ernst genug oder sollte es genauso sein?

Text: philipp-mattheis - Foto: dpa