Pflegst du deine Privatsphäre?

Oder gibt es die schon nicht mehr? Der Deutsche Knigge-Rat gibt sieben Tipps, wie man in sozialen Netzwerken nur so sichtbar bleibt, wie man sein will - und beruft sich dabei auf die Französische Revolution.
peter-wagner

Wer kann schon jede Minute und jeden Tag absehen, was er mit seinem Verhalten anrichtet. Das Leben ist doch eine Rush Hour. Es zählt vor allem, dass man die nächste Ampel bei grün schafft und dass man rechtzeitig zurückhupt, wenn man angehupt wird. In genau dieser Manier bewegen sich die meisten auch bei Facebook oder Google+. Sie gehen hin und tun mit und begeben sich in die Rush Hour. Sie schauen nur noch auf die nächste Ampel und laden Bilder oder Kommentare hoch, die man nicht mal seinen Eltern herzeigen möchte. So befürchtet es zumindest der Deutsche Knigge-Rat. Wer das ist? Eine Ansammlung von höflichen Menschen, die sich um die Umgangsformen in der Welt kümmern. In einer neuen Mitteilung schreibt Knigge-Rat Rainer Wälde:

"Seit der Französischen Revolution gilt die Privatsphäre zu den wichtigsten Grundrechten jedes Menschen. (...) Dieses elementare Gut der Privatsphäre wird durch die neuen sozialen Netzwerke Xing, Facebook und Google+ von vielen Nutzern leichtfertig aufgegeben. Der Deutsche Knigge-Rat hat deshalb einen "Privacy Knigge" verabschiedet ..."

Die sieben Empfehlungen sind nicht arg überraschend. Der geneigte Nutzer soll unter anderem alle Sicherheitseinstellungen aktivieren, soll sich überlegen, ob wirklich jeder von der eigenen sexuellen Orientierung oder dem Familienstand erfahren soll oder, der vierte von sieben Tips: "Prüfen Sie Ihre privaten Fotos." Jeder soll überlegen, ob er ein Foto, das er hochlädt auch in drei Jahren noch im Netz finden will.

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Illustration: Julia Schubert



Die Tipps sind ehrenwert und nicht falsch. Nur scheinen sie sich an Menschen zu richten, die gerade ganz neu in eines der sozialen Netzwerke eingestiegen sind. Jeder aktive Nutzer, möchte man meinen, kann mit den netten Geboten wenig anfangen. Wer sich einigermaßen häufig im Internet bewegt, lernt schon während der Bewegung, was er von sich preisgeben will und was nicht. Oder ist das ein Trugschluss? Was glaubst du: Muss man die Sorge um die eigene Privatsphäre lernen, oder baut nicht in Wahrheit jeder jene Privatsphäre um sein Internet-Ich, die er für richtig hält? Ist nicht ein soziales Netzwerk in Wahrheit der einzig vernünftige Trainingsplatz für den Umgang mit privaten Infos?

Wie gehst du mit deiner Privatsphäre um? Googelst du dich regelmäßig und schaust, wo etwas über dich aufploppt? Hast du schon Texte oder Bilder oder Verweise löschen lassen? Gibt es einen Unterschied zwischen Internetprivatsphäre und echter Privatsphäre?


Text: peter-wagner - Foto: Lumamarin / photocase.com

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