Politik als Lachnummer

Die Zahl der Spaßparteien nimmt immer weiter zu, aber ist nicht irgendwann mal Schluss mit Lustig?
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Illustration: Julia Schubert


In diesen Tagen versinken Mecklenburg-Vorpommern und Berlin im Plakate-Dschungel: In beiden Bundesländern stehen im September Wahlen an und rechtzeitig dazu melden sich auch wieder die unterschiedlichsten Spaßparteien und Satire-Aktionen zurück. Da gibt es einmal Storch Heinar, ein Storch, der mit Seitenscheitel und Hitler-Bärtchen für eine Offensive gegen die NPD wirbt („Storchkraft statt NPD“). Erfunden wurde die Satirefigur, die in diesem Wahlkampf bereits über 5000mal geklebt wurde, von Rostocker Sozialdemokraten.
Zur gleichen Zeit gibt es in Berlin immer wieder kleine Aktionen der „Buschkowksy-Jugend“, einer Gruppe, die sich gegen die Politik des derzeitigen Bürgermeisters von Neu-Kölln, Heinz Buschkowsky, starkmacht. In ihrem Manifest, das sie im Internet veröffentlicht haben, heißt es: „Er ist das Frontschwein der Politik. Wir wollen seine Ferkel sein“.  

Politische Themen auf eine humoristische Ebene runterzubrechen, ist kein neues Phänomen. Bereits 2009 nuschelte Horst Schlämmer aka Hape Kerkeling auf eine fast bedrohliche Art „Isch kandidiere!“ und traf damit zumindest aus polithumoristischer Sicht direkt ins Schwarze. Schon seit 2004 wirbt der ehemalige Titanic-Chef Martin Sonneborn mit  „Der Partei“ für den Wiederaufbau der Mauer und „eigentlich alles, was Stimmen bringt“. Aber auch über die deutschen Landesgrenzen hinaus findet das Prinzip einer humoristischen Oppositionsbildung viele Anhänger. Am krassesten zeigt das der Blick nach Island: 2010, während die ganze Nation aufgrund der Finanzkrise noch in einer Art Schockstarre verweilte, gelang einer Spaßpartei der Weg an die politische Spitze der Hauptstadt. Mit über 34 Prozent der Stimmen wurde der TV-Komiker Jón Gnarr zum Bürgermeister von Reykjavik gewählt. Seine Wahlversprechen: „kostenlose Handtücher in den Schwimmbädern“ und „endlich Eisbären im Zoo“.  

Schwierig wird es, wenn es darum geht zu unterscheiden: Wer macht nur Spaß, wer will provozieren  und wer meint es tatsächlich ernst? Bestes Beispiel ist die Piratenpartei – von vielen anfangs als Spaßpartei abgetan, liegt sie in aktuellen Umfrageergebnissen sogar vor der FDP; Experten rechnen damit, dass die Piraten dieses Jahr den Einzug ins Berliner Abgeordnetenhaus schaffen können. Von solchen Ergebnissen kann die Berliner Bergpartei hingegen nur träumen. Gegründet wurde sie im April diesen Jahres und beteiligt sich mit Slogans wie „Fahrräder brennen nicht“ am hauptstädtischen Wahlkampfgeschehen. Und auch die Sonneborn’sche Partei sorgt fleißig weiter für Schlagzeilen. Sei es durch die „liebevolle Umgestaltung“ von NPD-Plakaten, die nun über dem Slogan „Gas geben“ nicht mehr das Konterfei ihres motorradfahrenden Spitzenkandidaten tragen, sondern den Unfallwagen des tödlich verunglückten Jörg Haider. Oder sei es durch provokante Interviews, die zu geben Sonneborn niemals müde wird und in denen er immer wieder betont: „Wir wollen an die Macht. Wie ist uns egal. Nur nicht zusammen mit der FPD, wir sind schließlich keine Spaßpartei“.  


Maueraufbau, einen Storch statt NPD und Eisbären für den Zoo: Wie geht’s dir mit dieser Spaßparteienflut? Kannst du drüber lachen oder nervt’s langsam nur noch? Überhaupt: Sollten politische Themen eher ernst angegangen werden, oder täte manchen davon eine Prise Humor mal ganz gut? Mal angenommen, du würdest selbst eine Spaßpartei ins Leben rufen – wofür würdest du dich stark machen?

Text: julia-siedelhofer - Foto: Die Partei

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