Reinigt eine Freundschaftsanfrage alle Sünden?

Eine persönliche Frage im Tagesticker: Es geht um schlechtes Benehmen in der Schule und ganz aktuelle Freundschaftsanfragen.
christian-berg

Ich hatte den Namen seit Jahren nicht gelesen und trotzdem wusste ich sofort, um wen es ging. Die Freundschaftsanfrage kam am Silvester-Nachmittag. Ich war mit Vorbereitungen für den Jahreswechsel befasst, als mich die kalte Hand der Vergangenheit ergriff: "Richard will mit dir auf Facebook befreundet sein" stand da in der Mail, die ich in der S-Bahn las. Richard!

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Illustration: Julia Schubert



Wir waren seit der fünften Klasse gemeinsam zur Schule gegangen und ich hatte von Richard einiges erwartet, aber nicht dass er mit mir befreundet sein wollen würde. Über Jahre habe ich Richard nicht gerade freundlich behandelt. Er war der Depp der Klasse, ein armer Kerl, würde ich heute sagen. Damals sah ich das nicht so. Damals machte ich mit, wenn Richard verarscht wurde.

Ich gebe es zu, Richard ich kein Teil meines Lebens, auf den ich besonders stolz bin. Ehrlich gesagt, habe ich ihn (mit ein paar Ex-Freundinnen) in eine sehr dunkle Ecke verdrängt - aus der mich jetzt eine Freundschaftsanfrage erreicht. "Was soll das heißen?" fragte ich mich, als ich aus der S-Bahn ausstieg.

Die Silvesterparty nahm ihren Lauf und ich fand eine Lösung. Mit steigender Stimmung war ich mir sicher: Richard wollte mir auf neuem digitalen Weg sagen, dass er mir verziehen hat. Noch auf der Party bestätigte ich auf dem Handy seine Anfrage. Und fühlte mich gut!

Dass sich das am folgenden Tag änderte, lag nicht nur an Richard. Aber eben auch. Deshalb jetzt meine Frage an den Kosmos: Liege ich richtig mit meiner gut gelaunten Einschätzung, dass Richard sich mit mir versöhnen will? Oder muss ich mich meiner Vergangenheit als Klassen-Arsch stellen und richtig um Entschuldigung bitten?


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