Schaust du dir Gräuelvideos an?

Zu jeder Nachricht von Kriegen, Unfällen, Anschlägen gibt es Fotos und Videos, die im Internet ohne weiteres zu finden sind. Schaust du dir solche grausamen Videos und Bilder an? Oder ersparst du dir Anblicke, die dich womöglich ein Leben lang verfolgen werden?
christina-waechter
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Illustration: Julia Schubert



Vergangene Woche ging ein Youtube-Video um die Welt. Darin zu sehen: Der Fotojournalist James Foley, wie er von Terroristen der IS-Miliz geköpft wird. Ich habe es nicht gesehen, auch wenn ich vermute, dass es mit einer einzigen Suchanfrage zu finden wäre. Ich will mich vor den Bildern beschützen. Und ich will nicht Adressat der Propaganda von Terroristen sein. Denn die haben das Video ja zu einem bestimmten Zweck gepostet: um ihre Botschaft zu verbreiten.  

Zu jeder Nachricht von Kriegen, Unruhen, Unfällen oder Anschlägen gibt es Bilder. Bilder von Leichen, Verstümmelten, Versehrten. Wenn wir uns auf den normalen Wegen im Internet bewegen, begegnen uns diese brutalen Bilder selten, weil die meisten Medien davon absehen, die Nachrichten damit zu illustrieren. Um uns, die Leser zu schützen und davor zu bewahren, Fotos von Leichnamen oder Filme von Ermordungen für immer im Gedächtnis zu behalten.  

Aber dennoch existieren sie. Und manchmal stelle ich mir die Frage, ob es nicht auch feige von mir ist, solchen Bildern durchaus auch bewusst aus dem Weg zu gehen. Denn die Leichen gibt es ja. Und da stellt sich die Frage: Warum sollten wir nicht sehen, was auf der Welt passiert? Warum sollten wir nicht die Toten sehen, die unter einem Fabrikgebäude begraben sind, als sie in einem Sweatshop für ein paar Cent unsere Kleider genäht haben? Warum sollen wir nicht die Toten sehen, die bei all den Konflikten rund um die Welt ermordet werden? Sind wir nur egozentrisch, wenn wir uns selbst vor dem Anblick der Welt schützen? Oder wehren wir uns damit auch gegen Propaganda?

Schaust du dir alles an, was du sehen kannst? Kennst du deine eigene Grenze? Weißt du, wann es dir zu viel ist?

Text: christina-waechter - Foto: dpa

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