Stecken wir in einer Sinnkrise?

Die Kirchen verlieren Mitglieder, der Kapitalismus ist in die Hose gegangen. Und jetzt? Der Mensch braucht doch Sinn und Zusammenhang im Leben. Woher nehmen?
yvonne-gamringer

Hans Weingartner hat wieder hat wieder einen Film gemacht. Das ist der mit "Die fetten Jahre sind vorbei", ein Film, in dem System- und Lebens- und Sinnfragen so ineinander verringt war, dass man sie kaum mehr auseinanderhalten konnte. Jetzt ist "Die Summe meiner einzelnen Teile" angelaufen. Soll sehr gut sein. Ein Mathematiker kommt mit der Welt nicht mehr klar und rennt in den Wald und bleibt dort und findet dort neben einem russischen Jungen noch etwas anderes, neues. (Die Seite zum Film erklärt das alles genauer. Sie ist angenehm übersichtlich.)

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Illustration: Julia Schubert



Weingartner macht sich viele Gedanken über die Gesellschaft und das Leben. Immer wieder leuchtet die Sinnfrage durch seine Arbeit: Warum machen wir das, was wir machen? Gibt es eine andere Lösung? Genau diese Frage beschäftigt im Moment sogar Menschen, von denen man das nicht mehr erwartet hätte. Als sich neulich die Reichen und auch die Mächtigen zum Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz trafen, beschäftigten sich viele Podien und viele Gespräche mit der Frage: Der Kapitalismus ist in die Hose gegangen. Was kommt jetzt? Was kommt, wenn der Wettbewerb und das Geldverdienen als Motivation fürs Leben ausfallen?

Hast du auch das Gefühl, dass wir in eine Zeit hineinwachsen, in der immer mehr Menschen nach Sinn suchen? Stimmt es, dass in den vergangenen 20 Jahren mit der Krise der Kirchen und der Förderung der Wissenschaft eine neue Klarheit in unser Leben gezogen ist, die viele Vorteile aber auch einen Nachteil hat: nämlich, dass sie uns einer höheren Idee beraubt?

Woher könnte eine neue höhere Idee kommen? Aus der Natur, wie bei Weingartner angedeutet? Aus uns?



Text: yvonne-gamringer - Foto: Szene aus "Die Summer der einzlenen Teile"

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