Studenten zu Handwerkern

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Wer Abitur hat, der soll studieren. Heißt ja immerhin „Hochschulreife“, dann also bitte auch an die Hochschule. Das ist eine ziemlich verbreitete Haltung. Klar, es ist ja auch ein Privileg, studieren zu können. Es ist bloß nicht für jeden das Richtige. Und darum gibt es eine Menge Menschen, die sich durch Seminare und Vorlesungen quälen, in der Bibliothek und bei Klausuren leiden und mit einem Ausbildungsberuf vielleicht tausend Mal glücklicher geworden wären. Manche ziehen das Studium trotzdem durch, viele brechen es aber auch ab, derzeit etwa 30 Prozent aller Bachelorstudenten. Sie müssen sich dann auf die Suche nach einer Ausbildung machen.  

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Illustration: Julia Schubert

Statt Akademiker vielleicht lieber Goldschmied werden?

Bildungsministerin Johanna Wanka möchte ihnen diese Suche nun erleichtern. Sie hat sich einen Auffang-Plan ausgedacht für die Studenten, die besser nie welche geworden wären: Wenn sie einen handwerklichen Beruf lernen, sollen ihre Studienleistungen anerkannt und die Ausbildung verkürzt werden. Der Kontakt zwischen den Handwerkskammern und Unternehmen und den Hochschulen soll enger werden, sodass Studienabbrecher quasi vor den Toren der Uni abgeholt werden. Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, findet die Idee gut, denn das Handwerk brauche diese „ausbildungsstarken Jugendlichen“. Wanka will Pilotprojekte starten und mit ihnen den Plan in der Praxis testen. Wann das passieren soll, steht noch nicht fest.  

Eigentlich klingt das ja ganz gut. Vielleicht fällt es manchen Studenten ja leichter sich einzugestehen, dass die Uni nichts für sie ist, wenn sie wissen, dass sie nach einem Abbruch bald eine Ausbildung finden und sich die bisher investierte Zeit dort sogar rechnet. Andererseits könnten die anderen Auszubildenden es auch unfair finden, wenn Studienabbrecher einen Vorteil haben.  

Was hältst du vom Plan der Bildungsministerin, aus Studienabbrechern Handwerker zu machen? Findest du das sinnvoll und glaubst du, dass der Plan aufgeht – ganz ohne Missgunst unter Auszubildenden? Und was denkst du, müsste sich ändern, damit nicht alle Abiturienten denken, der logische Weg nach dem Gymnasium sei der an die Uni?

Text: nadja-schlueter - Foto: dpa

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