Trinkst du noch Bionade?

Den Erfindern der "Ökobrause" geht es schlecht. Sagt das was über unsere Zeit?
peter-wagner

Mann, war das alles eine tolle Geschichte. Der Braumeister Dieter Leipold erfand Mitte der Neunziger die Bionade, eine Limonade auf der Basis von vergorenem Malz. Ein simples und natürliches Produkt also, das Leipolds Stiefsohn, der Diplombraumeister Peter Kowalsky, mit genau dieser Botschaft in den Markt schob. Und der Markt war nett zur Bionade. Das Getränk fand sogar sowas wie eine natürliche Heimat: Berlin. Die Regierung und ganz viele wichtige Menschen begaben sich Ende der Neunziger in die Hauptstadt, um dort alles neu zu machen. Die Bionade passte zur Aufbruchsstimmung in der Stadt, sie wurde in den neu eröffneten Kneipen das Symbol für die bessere Welt. In dieser Welt sollte der Konsum klüger werden und immer wieder war die Bionade das Vorbild. Schließlich wurde sie sogar dazu verwendet, all den Neu-Berlinern und ihrer Lebensweise, dem Lifestyle of Health and Sustainability, einen Namen zu geben. Als der Zeit-Autor Henning Sußebach den Prenzlauer Berg portraitierte, schrieb er in seinen tollen Text das Wort vom „Bionade-Biedermeier“. Wahrscheinlich waren die guten Tage der Limo aus Ostheim in der Röhn mit der Veröffentlichung dieser Zeilen gezählt.

Default Bild

Illustration: Julia Schubert
Peter Kowalsky im Jahr 2007, nachdem er als "Ökomanager des Jahres" ausgezeichnet wurde. 

Die Bionade hatte ein Genre begründet, das Genre der Biobrausen. Mittlerweile gibt es viele Nachahmer, viele große Getränkeabfüller haben ihren Bionade-Remix im Angebot. Das ist aber nur einer der Gründe, warum sich das Original nicht mehr so gut verkauft. 2008 verlangten die Ostheimer plötzlich gut 30 Prozent mehr für das Getränk. Vom „Premiumaufschlag“ war die Rede. Viele Konsumenten wollten die Begründung nicht nachvollziehen und ließen die Kästen stehen. 

Peter Kowalsky verteidigte sich. Er sagte, er habe das so nicht gewollt. Die RhönSprudel-Gruppe, die in der Zwischenzeit 51 Prozent Anteil am Unternehmen hatte, habe den Sprung bestellt. Die RhönSprudler dementierten aber, wollten ihren Unternehmensanteil aber bald loswerden. Heute sagt der Oetker-Konzern, wie der Hase in Ostheim laufen soll. Die Konzernchefs sind nicht mehr besonders zufrieden mit dem Kind der jungen Berliner Republik. In Rekordzeiten wurden 200 Millionen Flaschen verkauft. Für das Jahr 2011 wird, so schrieb es am Wochenende die FAZ, ein Verkauf von 60 Millionen Flaschen erwartet.   Die Main-Post titelte am Montag „Was ist los bei Bionade?“ und zitierte eine Unternehmenssprecherin, die die Zahlen nicht kommentieren wollte. Jedoch sei es nie Ziel gewesen, in der Ökonische zu bleiben, man habe aus der Bionade immer eine „Volkslimo“ machen wollen.   Ob das noch hinhaut, muss man sehen. Glaubst du, die Schwierigkeiten der Bionade-Verkäufer sagen etwas aus über den Zustand der LOHAS-Bewegung? Wie muss ein Nischenprodukt aussehen, damit es auch im großen Markt überlebt? Trinkst du noch Bionade? Trinkst du die Kopien der anderen Hersteller?   
  • teilen
  • schließen