Voll dabei

In jedem Beruf gibt es einen Punkt, an dem man das Gefühl hat, endlich anerkannt zu werden. Wann hast du es geschafft?
lena-niethammer

Auf einmal nehmen ihn alle ernst. Jeder möchte sich mit ihm unterhalten. Darüber wie es ist, Autor zu sein. Denn Paul hat sein erstes Buch veröffentlicht. Einen Roman. Dabei schreibt er schon lange, hat jahrelang Bühnentexte und Kurzgeschichten veröffentlicht. Interessiert hat es nie jemanden. Er wurde verschrien als Faulenzer. Ein Träumer mit der Hoffnung, der nächste Thomas Mann zu werden.  

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Illustration: Julia Schubert



Man sollte meinen, jeder, der in seinem Beruf eine Stelle oder einen Auftrag hat, hat es geschafft. Das muss doch reichen, um sich Autor, Bademeister, Arzt oder Journalist nennen zu dürfen. Doch es ist längst nicht so. Wirkliche Anerkennung bekommt man erst, wenn man eine irreale Grenze überschritten und etwas Bestimmtes erreicht hat.  

Im Falle des Autors ist es das erste Buch. Ein Roman bei einem der großen Verlage sollte es sein. Bei einem Bademeister vielleicht das erste gerettete Menschenleben, bei einem Arzt die erste Operation und bei einem Journalisten der erste veröffentlichte Text. In einer Zeitung. Internet zählt nicht.  

Das Gefühl, sich vor Eltern, Freunden und Bekannten beweisen zu müssen, nervt. Antwortet man auf die Frage „Was machst du so in deinem Beruf?“ nicht wie vom Gegenüber erwartet, folgt nach einer peinlichen Sekunde Stille ein langgezogenes „Achso. Das ist ja interessant.“ Interessant? Bitte?  

Ging es euch auch schonmal so? Habt ihr manchmal das Gefühl, in eurem Beruf nicht ernst genommen zu werden? Was ist eure Grenze? Ab wann seid ihr beruflich wer?



Text: lena-niethammer - Foto: Andreas F./photocase.com

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