Von guten Prinzen und bösen Kriegen

Früher war alles besser. Wenn bei diesem Satz Opas Augen zu leuchten beginnen, stöhnen die meisten Jugendlichen auf. Litaneien von damals? Will keiner hören. Aber eine Studie zeigt: Opas Geschichten zuzuhören hat seine Vorteile. An welche kannst du dich erinnern?
katharina-elsner

... und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen rankt sich um den Kanon märchenhafter Erzählungen der Gebrüder Grimm. Täglich gab es eine Gute-Nacht-Geschichte, in denen heldenhafte Prinzen gegen böse Hexen kämpften, Goldmarie für ihren Fleiß belohnt oder eine ganze Stadt unter Brei begraben wurde. Die Märchen aus den Büchern habe ich als Kind geliebt, Anekdoten aus dem DDR-Leben meiner Mutter dagegen weniger.  

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Illustration: Julia Schubert

Nicht nur vorlesen hat seine Vorteile. Wer von seiner eigenen Vergangenheit erzählt, fördert Empathie und Selbstbewusstsein seiner Kinder.

Heute weiß ich: Die Blicke in die Vergangenheit haben sich für mich gelohnt. Dass Bücher das Lese- und Sprachverständnis, die Fantasie und Empathie von Kindern fördern, ist bekannt. Was wir aber so noch nicht gehört haben: Es sind auch Familiengeschichten, persönliche Erlebnisse aus den Kindheitstagen von Eltern und Großeltern, die Kindern ein höheres Selbstbewusstsein bescheren und ihnen eine stärkere Identität verleihen. Das besagt eine Studie der Emory University in Atlanta, Georgia.  

Das Erzählen kann dabei über die klassische Zubettgeh-Geschichte weit hinauslaufen. Alltägliche Anekdoten aus früheren Tagen können beim Abendbrot ebenso geteilt werden wie bei Omas 80. Geburtstag. Den Heranwachsenden wird so ein Gefühl der Zusammen- und Zugehörigkeit vermittelt. Und: Sie sind in der Lage, strukturierter und komplexer Geschichten zu erzählen als ihre Altersgenossen, denen die Litanei ihrer Eltern erspart geblieben ist.  

Wenn also Mama das nächste Mal in Erinnerung an ihre erste Liebe schwelgt und Opa die Tage im Krieg verflucht, rolle ich nicht genervt mit den Augen, sondern sage: Danke. Welche Geschichte hörst du von deinen Eltern immer wieder? Was hast du daraus gelernt? Und was willst du später mal deinen Kindern erzählen?


Text: katharina-elsner - Foto: Carlos Murphys / photocase.com

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