Während gestern am St. Martinstag Kolonnen von Kindern mit ihren liebevoll im Kindergarten oder mit Mama und Papa gebastelten Laternen München erleuchteten, bin ich müde und mit leeren Händen nach Hause gefahren. Mich hatte keiner gefragt, ob ich mitlaufen möchte, oder ob man mir eine Laterne basteln soll. Dafür ich bin zu alt. Und manchmal finde ich das schade.  

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Zum Beispiel, wenn mir ein Kollege erzählt, dass es im Bundestag Audioführungen für Kinder gibt, in denen „Bernd, das Brot“ Witze reißt. Oder wenn ich an der Wursttheke keine Scheibe extra mehr bekomme. Oder wenn die Kellnerin die Augenwinkel zusammenkneift und sagt: „Nee, das Gericht gibt es leider nur für Kinder unter zwölf.“ Und eigentlich meint: „Pech gehabt! Bestell’ gefälligst was Richtiges!“ Dann wäre ich gern noch einmal klein.  

Sich beim Familienessen im Restaurant ganz der Malunterlage widmen zu können ist einfach netter als Fragen und Ratschlägen zu Beruf – „Und wie soll das mit diesem Journalismus jetzt funktionieren?“ – und Beziehung – „Ich kann dir nur einen Rat geben, werde nicht zu spät Mutter!“ – ausgesetzt zu sein.   

Natürlich, das Erwachsenenleben ist unterm Strich aufregender als das Leben als Siebenjährige, aber in manchen Situationen vermisst man das Klein-Sein irgendwie doch.  

Wann hast du dir das letzte Mal gewünscht mit deiner kleinen Nichte oder dem Kind aus der U-Bahn kurz tauschen zu können?

Text: nadine-wolter - Foto: DWERNER-fotocase.de