Vor ein paar Wochen diskutierten wir in einem Philosophieseminar darüber, wie man Leistungen in der Medizin rationieren könnte. Also zum Beispiel, ob Leuten über 80 Jahren aus Kostengründen eine künstliche Hüfte verwehrt bleiben darf. Einer meldete sich und meinte, solange Banker wie Ackermann und Co weiterhin Geld hinterher geworfen bekämen wie Heu, sei das alles irrelevant. Das Banker-Argument ist das neue Kinder-in-Afrika-Argument ("Solange die Kinder in Afrika nichts zu trinken haben, ist alles so schlimm, dass wir gar nicht über unsere kleinen Probleme reden müssen.") Weil etwas anderes noch wichtiger ist, darf man über die aktuelle Frage erst gar nicht diskutieren.  

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Das Banker-Argument sagt dem Gegenüber: Deine Frage ist egal. Andere Argumente gehen weiter, greifen den Diskussionspartner direkt an und sprechen ihm ab, mitreden zu können. Zum Beispiel das Erfahrungsargument: Professor X sagt, Sozialleistungen für arbeitslose Rumänen müssten gekürzt werden. Antwort: „Professor X, Sie sind kein armer Zuwanderer und waren immer priviligiert. Sie haben keine Ahnung, also seien sie besser still“. Auch mit dem Vorwurf politischer Inkorrektheit kann man den anderen stoppen. Man unterstellt ihm, keine Manieren zu haben, sich im nichtdiskutablen Sektor zu befinden. Wenn einer schlicht sagt: „Der Spanier macht mittags Siesta“ und der andere schreit: „Du Hitler/Nazi/Rassist!“

Mit dem Hitler-, Banker- und Kinder-in-Afrika Argument kann man nicht beeindrucken, aber garantiert die Diskussion versauen, wenn nicht sogar beenden. Wie geht es dir, wenn du so ein Argument bringst? Triumphierst du, weil du den anderen mitten auf der Zielgerade ausgebremst hast? Oder bist du beschämt und traurig, weil du die Spielregeln gebrochen und eine Diskussion getötet hast? Welches ist dein cleverstes Totschlagargument?

Text: anne-kratzer - Foto: Seleneos / photocase.com