Was ist schlimmer: Ullas Dienstwagenmalaise oder Angelas Ackermannparty?

Unser Interesse an Politik entzündet sich oft erst an Nebensächlichkeiten. Stichwort Dienstwagen und Ackermann. Was sagt uns das?
peter-wagner
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Illustration: Julia Schubert

In der Dienstagskonferenz der jetzt.de-Redaktion haben wir abgewogen, was uns die Aufregung um das Fest zu Ehren von Josef Ackermann im Bundeskanzleramt nun sagt. Wir haben den moralischen Fehltritt der Kanzlerin mit dem moralischen Fehltritt der Gesundheitsministerin verglichen. Wir haben abgewogen, was nun schlimmer ist, hatten am Ende kein Ergebnis und haben uns geärgert, soviel Debattenzeit auf solch nebensächliche Themen verschwendet zu haben. Ein Kollege sprach sich dafür aus, auf Wahlkampf-Nicklichkeiten gar nicht mehr einzugehen, weil sie von den eigentlich vorhandenen Problemen ablenkten. Nur ist die Verlockung, Konferenz- und Mittagstischgespräche mit so seichten Themen wie Ullas geklautem Dienstwagen zu verbringen, sehr mächtig. In solchen Affärchen wird Politik persönlich und jeder kann dazu seine Haltung beisteuern, ohne vorher einen Berg Akten oder 90-seitige Parteiprogramme durchgraben zu haben. Aber ist eine solche Haltung nicht sehr ärgerlich? Oder ist es, nun andersherum, ein sehr wohlfeiler Anspruch, vom Bürger und Wähler immer nur die Konzentration auf "das Wesentliche", auf "Inhalte" zu verlangen? Und sind der Ulla Schmidt- und der Angela Merkel-Fall vergleichbar?

Text: peter-wagner - Fotos: dpa, ap

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