Was machst du, wenn jemand "Get a life" zu dir sagt?

Wenn ein Mensch zeigen will, dass er seine Zeit durchaus auch abseits des Internets verbringen kann und andere auf diese Möglichkeit hinweisen will, schreibt er frech: Get a life. Nur: Was heißt das?
yvonne-gamringer
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Illustration: Julia Schubert

Eine Szene zum Einstieg. Im Chatroulette für Arme (bei dem, in dem es keine Bilder gibt sondern nur Text - ich mag den Namen jetzt nicht googeln, weil er nichts zur Sache tut), also da gibt es manchmal absurde Einstiegsdialoge. Eine Website versammelt die lustigsten dieser Kennenlerndialoge, die ersten Zeilen, die sich die Zufalls-Chatpartner einander schreiben. In einem Fall sitzt dann also am einen Ende des Glasfaserkabels ein Deutscher oder eine Deutsche und am anderen Ende ein Ami oder eine Ami. Fragt derdie Deutsche, da derdie Ami davon schreibt, in New York zu leben, ob ersie denn das neulich mitbekommen habe, als die Air Force One von Obama zu Fotozwecken über Manhattan gekreist ist? Soll ja die Leute sehr aufgeregt haben! Und da kriegt sich der derdie Ami nicht mehr und fragt zur Sicherheit nochmal nach, ob der Vorfall jetzt wirklich in den deutschen Medien erscheinen sei? Dann kann man das Kopfschütteln fast schon sehen, als derdie Ami sagt: "Get a life over there." So ein Satz klingt sehr cool, weil er einen souveränen Umgang mit Information andeutet. Man könnte glauben, wer sowas sagt, schalte jeden Tag von 12 bis 13 Uhr das Internet einfach aus und gehe nach draussen und getted dann ein bisschen life. Nun frage ich mich immer: Was heißt das genau? Was macht man, wenn man alle Medien und Internet ausstellt? Ich habe nun schon eine diffuse Vorstellung davon. Irgendwie denke ich dann immer an eine Kleinfamilie und Garten und klingende Weingläser und viel Bresso-Werbung unter ländlichen Bäumen. Aber ist es das? Was würdest du machen, wenn dir jemand schriebe: "Get a life!"?

Text: yvonne-gamringer - Foto: ddp

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