Was muss ein Spitzenkandidat können?

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Nehmen wir zum Beispiel Hannelore Kraft, die von allen Beliebte. Sie ist alte und neue Ministerpräsidentin in Nordrhein-Westfalen, hat mit ihrer SPD einen großen und wichtigen Wahlsieg errungen, und es gibt jetzt viele Leute, die sagen, dass dieser Wahlsieg vor allem was mit ihrer Person zu tun hat und nicht so sehr mit der SPD. Kraft holte in ihrem Wahlkreis das beste Erststimmenergebnis (59,1 Prozent). In den Umfragen vor der Wahl hängte sie Röttgen bei den Sympathiewerten um Längen ab. Kraft ist sehr gut in der Rolle der Landesmutter, die mit den Bürgern in der Fußgängerzone hervorragend zurecht kommt und Verständnis für ihre Probleme mitbringt (oder zumindest suggeriert) macht. Klar, dass es nicht lange dauerte, bis die Frage der SPD-Kanzlerkandidatur aufkam.

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Illustration: Julia Schubert



CDU-Kandidat Norbert Röttgen hingegen brachte es nicht fertig, bei den Wählern so etwas wie Emotionen zu wecken und ihnen das Gefühl zu vermitteln, er sei voll und ganz für sie und das Land NRW. Er ist kein großer Redner, bei seinen Kontakten mit dem Wahlvolk wirkte er manchmal, als wäre er gerade viel lieber ganz woanders. Und obwohl schon Renate Künast vergangenen Herbst in diese Falle getappt war, legte auch Röttgen sich nicht darauf fest, ob er auch im Falle einer Wahlniederlage im Parlament in Düsseldorf Platz nehmen würde oder doch lieber in seinem Sessel im Umweltministerium in Berlin. Nach dem NRW-Debakel ist aber selbst der ein bisschen wacklig geworden.

Ob Kraft, Röttgen oder Christian Lindner, der mit dem Slogan „Das ist meine FDP“ in einen sehr auf seine Person ausgerichteten Wahlkampf zog und jetzt als Retter seiner Partei dasteht – in NRW scheinen die Spitzenkandidaten und ihr Image ziemlich ausschlaggebend für das Ergebnis gewesen zu sein.

Wie relevant ist für dich bei Wahlen die Person auf dem ersten Listenplatz einer Partei? Und welche Eigenschaften findest du bei einem Kandidaten am wichtigsten? Entscheidest du dich ganz nüchtern nach der Kompetenz in Sachfragen und den formulierten politischen Zielen? Spielt Regierungserfahrung eine Rolle? Oder bist du eher ein emotionaler Wähler, der sich von seinen Sympathien für den Kandidaten leiten lässt? Vergibst du Minuspunkte für jemanden, der sich wie Röttgen oder Künast nicht konkret festlegen will?

Text: christian-helten - Foto: dpa

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