Was nimmst du aus Verlegenheit in Kauf?

Teile diesen Beitrag mit Anderen:

Der Aufzug hält an und ich steige aus. Ich mache es einfach. Instinktiv. Ohne drüber nachzudenken. Blöd nur, wenn es überhaupt nicht meine Etage ist. Dreh ich mich jetzt um und gehe wieder zurück? Nein! Lieber cool weiterschlendern, den anderen zum Abschied lässig zunicken und so tun, als wäre man Herr des Stockwerkes. Erst wenn die Aufzugtüren wieder geschlossen sind, traue ich mich den Knopf erneut zu drücken.

Warum ich mich so bescheuert verhalte? Wahrscheinlich ist es Verlegenheit. Selbstbewusstsein hin oder her, in manchen Situationen will man einfach nicht für Aufmerksamkeit sorgen, sondern lieber still und heimlich in der Menge untergehen. Ein kritischer Blick oder ein Augenverdrehen sind schon ein Grund für Unwohlsein.

Default Bild

Illustration: Julia Schubert


Was nimmst du aus Verlegenheit in Kauf?

Die Verlegenheitsfalle überhaupt ist die Bahn. Im Abteil und auf dem Gleis warten die gelangweilten Menschen mit ihren gierigen Blicken nur darauf, dass einer aus der Reihe tanzt. Zumindest denkt das mein Unterbewusstsein. Deshalb warte ich oft extra auf die nächste Bahn, wenn ich die jetzige nur durch einen Sprint erreichen könnte. Ich hetze doch nicht hinein, kämpfe mit der Tür um den Besitz meiner Tasche, nur um mich den Blicken der anderen auszusetzen, die empört über meinen lauten Atem rügend über ihre Zeitung gucken.

Oder ich laufe nach dem Aussteigen konsequent in die Richtung, der ich mich von Anfang an zugewandt habe. Selbst wenn ich bemerke, dass so ein Umweg auf mich wartet. Mich hält nichts ab. Weiter gehts in die falsche Richtung.

Eine Bekannte weigert sich sogar mit dem Fahrrad in der U-Bahn zu fahren, weil sie denkt, die Leute würden sie dann für faul halten und sich ihr Maul darüber zerreißen, schließlich sei es kein Wunder, dass gerade ihre Kondition versagt habe. Schaut sie euch doch mal an!  

Wie geht es dir damit? Nimmst du auch manchmal Zeit und Mühe in Kauf nur um einer Verlegenheit aus dem Weg zu gehen? Oder ist es dir wirklich immer egal, was die Leute über dich denken?

Text: lena-niethammer - Foto: Nadine Platzek/photocase.com

  • teilen
  • schließen