Was war deine schlimmste Wohnungsbesichtigung?

Geschichten von schönen Wohnungen, die einem jemand anders vor der Nase weggeschnappt hat: gähn! Reden wir lieber mal über die Wohnungen, die man gar nicht erst haben wollte. Der Wohnungsschock-Ticker.
mercedes-lauenstein

Du willst eine neue Wohnung. Groß soll sie sein, viel Platz zum Atmen und die Wände hoch und weiß, Holzdielen wären nicht verkehrt, Stuck erst recht nicht und auch einen hübschen Balkon Richtung Hinterhof würdest du nicht ausschlagen. An Angeboten mangelt es im Internet nicht, also meldest du dich zu einigen Besichtigungen an.

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Illustration: Julia Schubert



Mittwochmorgen, acht Uhr, du schlüpfst in deine Turnis und los geht’s. Wie schön das wäre, träumst du in der Tram so vor dich hin, wenn das klappte, ach ja! Die Realität wird natürlich sein, wie die Realität immer ist, nämlich krass ungerecht. Und als du aus der Tram aussteigst und auf den Hauseingang des zu besichtigenden Hauses zugehst, siehst du sie auch schon: Die vielen jungen Chirurgen-/IT-/Vorstandsvorsitzendenpärchen, die vielleicht nicht besonders nett, aber sehr reich sind und von denen eines die Wohnung bekommen wird. Weil es nämlich schon gestern Abend ein kleines Geldgeschenk Richtung Vermieter in die Wege gel..... BOAH FUCK!

Was ist passiert?

Das hier ist passiert: Eine "Maklerin" (Mitte 40, lila Strähnen im Haar, alter, rostiger Opel und Hosenanzug von C&A, Frühjahrskollektion 1982) hat euch das Treppenhaus hinauf in die Wohnung im dritten Stock gewunken und euch hereingebeten. Es umgibt euch hier nun der Geruch von nassem Tier, feuchten Wänden und rottem Holz. Die Wände sind in einem grauenhaften Grün gestrichen, okay, das könnte man ja streichen. Unten an den Leisten überall Wasserflecken und Schimmel, im Flur ein Loch im Boden, das die Maklerin nicht recht erklären kann ("Ja, hamse Recht, da muss man vielleicht noch ma ran!") das Klo hat keine Tür und die Toilette selbst scheint gar nicht angeschlossen, der Porzellankörper jedenfalls lehnt an der Wand wie in einem Jugendzentrum kurz vor seinem Abriss. In der Küche liegt eine fleckige Matratze auf den zersprungenen Fliesen und vom Herd zieht sich zum Ofen hinunter eine milchige Kruste – ach, du willst es alles gar nicht wissen. Und die anderen Besucher sind auch alle schon wieder weg. Du stürmst raus. Den Flur runter, raus an die frische Luft.

Du weißt: Du hättest die Wohnung haben können! Mann hey, du hättest die Wohnung wahrscheinlich echt kriegen können! In SO EINER LAGE! Aber es ist wie es ist: Du wolltest sie nicht. Selten warst du glücklicher über die winzige Bude, in der du jetzt noch wohnst, als in diesem Moment. Vielleicht ist Ausziehen ja doch eine dumme Idee? Vielleicht ist es doch nirgends besser als daheim?

Kommt dir dieses Szenario bekannt vor? Kennst du das unerwartete Gefühl, in eine Wohnung einzutreten und dir einfach nur denken: Um Himmels willen, was ist denn hier los? Erzähl uns deine schockierendsten Wohnungsbesichtigungserlebnisse. Oder poste deine haarsträubendsten Immobilienanzeigenfunde. Solche wie diese hier zum Beispiel.



Text: mercedes-lauenstein - Bild: cydonna-photocase.de

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