Man mag es sich kaum vorstellen, aber es gab eine Zeit, da waren Mailadressen noch ein begrenztes Gut. Alle waren bei maximal fünf Anbietern und wenn man Lisa Müller hieß, dann hatte mal einfach Pech gehabt. Lisa.Müller@gmx war nämlich vermutlich schon weg. In dieser Zeit, so rede ich es mir zumindest schön, kamen viele von uns auf die Idee, sich also anstatt langweilger vorname.nachname-Kombinationen, ein neues Genre der Benutzernamen auszudenken: Die Fantasienamen. Sweetybabsi@hotmail entstand in so einer Zeit. Oder Nathalie.schmid2906@gmx (weil am 29. Juni das Kaninchen Geburtstag hatte, oder sowas).

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Dumm war in meinem Fall, dass ich das Genre der Fantasienamen auch auf sämtliche andere Internetseiten ausweitete, auf denen mal sich anmelden konnte. Charlotte Haunhorst ist schließlich kein Name, der superfancy klingt. Also wählte ich, als ich mich das erste Mal bei Skype anmeldete, ein superwitziges Wortspiel als Benutzername. Lottifant. Haha. Verstanden? Wegen "Ottifant", von Otto, dieser Ostfriese, der in den Neunzigern... naja... egal.

Das blöde ist, dass man sich bei Skype nicht umbenennen kann. Man kann ein anderes Profilbild hochladen, die Mailadresse ändern, aber der fucking Benutzername bleibt. Somit heiße ich auch heute, 12 Jahre nach "Lottifant" immer noch so bei Skype. Freunde haben sich daran gewöhnt, erst bei Arbeitskollegen wird dieser Zustand unangenehm. Ich hoffe dann immer, dass sie insgeheim auch irgendwo einen Mailaccount unter JoeBangBang@gmx.de laufen haben. Den Skype-Account löschen möchte ich allerdings auch nicht, schließlich wäre es mühsam, die ganzen Kontakte neu einzusammeln.

Hast du, damit ich mich besser fühle, auch Geschichten von bescheuerten Nutzernamen zu erzählen?

Text: charlotte-haunhorst - Illustration: Katharina Bitzl