Wem plapperst du nach?

Es gibt Menschen, die sagen zitierreife Dinge: Mama, Gandhi und meine ehemalige Gruppenleiterin bei den Pfadfindern zum Beispiel. Zum Glück dürfen wir sie plagiieren.
daniela-gassmann

Ich habe ein Geheimnis. Es würde mich vor meinen Freunden in Sachen Einfallslosigkeit entlarven und dreht sich um folgenden Satz: „Was ist das Leben schon, außer probieren.“ Ich sage ihn auf der Kuscheldecke im Sonnenuntergang und bei der Küchentisch-Diskussion mit dem obligatorischen Glas Rotwein. Wenn meine Freunde dann „Och Ela“ seufzen, verrät ein Grinsen ihr diskretes nicht-Gernevtsein. Sie haben die doofe Phrase lieb gewonnen, schließlich gehört sie zu mir.  

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Illustration: Julia Schubert


Kikerikie!

Das ist der Teil, an dem sich mein Geheimnis eingeschlichen hat. Ich verrate es euch – verpfeift mich aber bitte nicht an Kuscheldecken-Liebhaber oder Küchentisch-Bekannte! Also: Mein Lieblingssatz stammt nicht von mir. Ich habe ihn auf dem Pfadfinderlager von meiner Gruppenleiterin geklaut, die mich für die Feuerprüfung motivieren wollte. Es ist nämlich gar nicht so einfach, mit nur drei Streichhölzern Reisig zum Brennen zu kriegen, aber das ist eine andere Geschichte. Damals war ich jedenfalls noch zu jung für Weisheiten, habe sie aber für später in meinem Gehirn aufgehoben und plappere sie inzwischen inflationär nach. Passt auch echt immer, das mit dem Probieren.

Puhh! Jetzt wo es raus ist fühle ich mich als Guttenberg. Um von meiner eigenen Hochstaplerei abzulenken, ziehe ich den Kollegen Biazza mit rein. Der findet ziemlich oft ziemlich schöne Worte. Falls ihr aber schon mal ein „Wenn man einmal richtig Musik gemacht hat, will man’s nicht mehr missen“ von ihm gelesen habt, war das auch nur nachgeplappert. Von seinem ehemaligen Gitarrenlehrer. Im Vergleich zum klassischen Gandhi finde ich seinen Satz ja ganz niedlich. Dass Frieden der Weg sei, weckt bei mir nämlich eher Gewaltambitionen. Ich lasse da neben Lycka (so hieß meine Gruppenleiterin mit Pfadfindernamen) lieber Mama aus meinem Mund Weisheiten verzapfen. Oder exzerpiere nicht-kitschige Lieblingsstellen aus einem Buch. Warum auch nicht, fürs echte Leben gibt es ja kein Plagiatsverbot. Auch wenn man einen Satz nicht erfunden hat, kann man sich damit wohlfühlen. Und vor allem von Welt.  

Wie ist das bei dir? Welchen Satz schwätzt du am liebsten nach? Und von wem hast du ihn geklaut? Verwendest du ihn auch in deinen Texten? Und findest du die typischen Kitsch-Zitate genauso nervig wie ich oder gibt es Schlimmeres? Raus mit den Phrasen!


Text: daniela-gassmann - Foto: Cattari-Pons/photocase.de

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