Wenn die Guten Mist bauen

Eine Kambodschanerin kämpft gegen Kinderprostitution während Greenpeace sich für die Umwelt einsetzt. Beides klingt heldenhaft - trotzdem zweifeln die Medien an der Vertrauenswürdigkeit. Der Spenden-Ticker.
daniela-gassmann

Man kann sie in Somaly Mams Autobiografie nachlesen, genau wie es der Untertitel verspricht: „Die wahre Geschichte einer kambodschanischen Heldin, die aus der sexuellen Sklaverei geflohen ist und ihr Leben nun der Rettung anderer widmet.“ Es klingt bewundernswert, wie diese Frau mit ihrer Stiftung junge Kambodschanerinnen aus Kinderbordellen befreit, nachdem sie durch dieselbe Hölle gegangen ist – so sehr sogar, dass sich Hilary Clinton, Michelle Obama und Angelina Jolie gerne mit ihr zeigten. Jetzt ist allerdings etwas über die  berühmte Aktivistin bekannt geworden, das ihre Bewunderer zweifeln lässt: Es handelt sich bei ihrem Beststeller zwar um eine ergreifende, aber offenbar doch um eine erlogene Geschichte.

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Illustration: Julia Schubert

Sie galt erst als Opfer der sexuellen Sklaverei und als Heldin. Jetzt wird Somaly Mam eine Lügnerin genannt.

Zuerst berichtete die Zeitung Cambodia Daily über Widersprüche, dann recherchierte das amerikanische Magazin Newsweek in Mams Heimatdorf. Keiner der Bewohner kannte den bösen Großvater, der sie angeblich als Kind versklavte. Alle behaupteten hingegen: Mam wuchs in einer Familie auf und hatte ein recht normales Leben, für kambodschanische Verhältnisse zumindest. Die einstige Heldin und Vorzeige-Aktivistin schweigt zu den Vorwürfen.  

Mist gebaut hat jetzt auch eine der größten gemeinnützigen Organisationen, Greenpeace. Durch fahrlässige Währungsgeschäfte verlor sie 3,8 Millionen Euro. Im Stil vom deutschen Länderfinanzausgleich fließt Geld von den Ablegern der reichen Länder zu den ärmeren. Auf dem Weg rechnet man Euros und Dollars um in Rupie, Peso oder Schilling. Ein Mitarbeiter wollte dem fallenden Eurowert entgegenwirken und kaufte vorab Währungen zu festen Kursen. Angeblich im Alleingang. Weil der Euro allerdings nicht schwächer, sondern stärker wurde, ging trotz seines guten Willens eine hohe Summe verloren, die man doch eigentlich für die Umwelt hätte einsetzen sollen.

Ist doch traurig, dass man nicht einmal dem guten Zweck vertrauen kann – oder was meinst du? Wie gehst du denn mit solchen Nachrichten um? Halten sie dich vom Spenden ab? Oder ist nicht zu spenden auch keine Lösung? Und: Wenn du eine Organisation unterstützen willst, informierst du dich vorher, was genau mit dem Geld passieren wird?

Text: daniela-gassmann - Foto: dpa

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