Irgendwann haben wir uns einfach nicht mehr angerufen. Nicht mal mehr zum Geburtstag. Ein paar Jahre lang waren wir beste Freunde gewesen. Wir sahen uns mindestens einmal pro Woche, meistens eher vier Mal. Wir fuhren zusammen in den Urlaub. Lena war der einzige Mensch außerhalb meiner Familie, der ich etwas zu Weihnachten schenkte.  

1026446


Aber irgendwann hatten wir uns immer weniger zu sagen: Lena war nach ihrer Ausbildung aus der Stadt aufs Land und in eine Bauernhof-WG gezogen, hatte lauter Reggae-Musiker als Freunde und arbeitete in einer Booking-Agentur. Ich konnte mit nichts davon sonderlich viel anfangen. So wurde der Kontakt weniger, die Weihnachtsgeschenk-Tradition schlief ein und wir sahen uns nicht mehr ein Mal wöchentlich, sondern ein Mal jährlich. Heute könnte ich wohl nicht mehr behaupten, dass Lena und ich befreundet sind.  

Wir haben das allerdings nie ausgesprochen. Wir haben unsere Freundschaft langsam ausplätschern lassen und irgendwann war sie weg. Ich glaube, wir fanden das beide sehr in Ordnung so. Nur manchmal denke ich, dass eine so gute Freundschaft es irgendwie verdient gehabt hätte, auch richtig beendet zu werden. Als wir befreundet waren, haben wir uns alles erzählt, müssten wir also nicht auch offen über das Ende unserer Freundschaft reden?  

Wie siehst du das? Brauchen Freundschaften einen klaren Schlussstrich? Brauchen sie ihn in manchen Fällen unbedingt, in anderen nicht? Wenn ja, wie macht man in einer Freundschaft am besten Schluss? Und wenn nicht, warum bevorzugst du die Variante „stilles Ende“? Hast du schon mal eine Freundschaft offiziell beendet oder ausklingen lassen?

Text: eric-mauerle - Foto: melo / photocase.de