Wie behütet bist du?

Eltern übertreiben es manchmal mit der Behütung ihres Nachwuchses. Damit das Kind bloß nicht scheitert, greifen sie ihm in Schule, Studium und Karriere immer länger unter die Arme. Hattest oder hast du auch solche Wachhund-Eltern?
jan-stremmel

Der Kampfausdruck heißt "Helikopter-Eltern", was ja erstmal nicht schlimm klingt, sondern ziemlich cool, nach Privatjet und Poolparty. Was dahinter steckt, ist dann allerdings doch eher zum Schaudern: "Helikopter-Eltern" stauchen zum Beispiel Lehrer zusammen, wenn die ihren Kindern im Unterricht das Handy abgenommen haben. Oder wenn sie es wagen zu behaupten, ihr Sohn rauche heimlich. "Helikopter-Eltern" gehen, im Extremfall, verkleidet in die Englischklausur der eigenen Kinder, um deren Abi-Note zu retten. Manche von ihnen kriechen sogar bei der Ostereiersuche in einem Park durchs Gebüsch, damit ihr Kind auf jeden Fall genügend Süßigkeiten abbekommt.

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Illustration: Julia Schubert

Haben es deine Eltern mit dem Schutz manchmal übertrieben? Oder hättest du dir mehr davon gewünscht?

Mit diesen Anekdoten beschreibt ein Lehrer in der Titelgeschichte des aktuellen Spiegel einen neuen Typus Eltern, der es besonders gut meint mit dem eigenen Nachwuchs, zu gut sogar - und ihn deshalb wie aus einem Hubschrauber heraus verfolgt, bewacht und blind verteidigt. Der Artikel versammelt erwartungsgemäß haarsträubende Geschichten von Vätern und Müttern, die sich wegen der Sitzordnung in der Klasse oder der Zahl der Englischvokabeln beschweren, statt den Gedanken auch nur zu streifen, der eigene Sprössling könnte womöglich ein verwöhntes Blag mit Drogenproblem sein.

Man kann über diese Sammlung an Extremisten-Geschichten den Kopf schütteln, man kann aber auch mal kurz innehalten und die Tickerfrage stellen: Wie protektiv waren oder sind deine Eltern? Haben sie es in deiner Erziehung mit dem Beschützen manchmal übertrieben? Oder hättest du dir, umgekehrt, bisweilen sogar gewünscht, sie wären ein bisschen mehr Wachhund gewesen? Schließlich lebt es sich ja in manchen Situationen doch angenehmer mit einem Helikopter als mit einem, sagen wir, Trekkingrad.


Text: jan-stremmel - Foto: mallomoi / photocase.com

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