Wie, der jetzt auch?

Anlässlich der bald erscheinenden Samuel Koch-Biographie fragen wir: Was muss man leisten, um einer eigenen Biographie würdig zu sein?
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Am späten Abend des 4. Dezembers 2010 schockierte ein Unfall im ZDF Millionen Fernsehzuschauer. Wochenlang beschäftigte die Medien, ob Samuel Koch wieder gesund wird, ob "Wetten, dass...?" nicht total verwerflich und quotengeil ist, oder ob der immer gruselig grinsende Gottschalk nun wirklich geht. Das meiste davon ließ sich mit ja beantworten. Und einmal noch, im Juni, wühlte der blonde Optimist mit der Halskrause und der leisen Stimme wieder die Medienlandschaft auf: Bei einem groß inszenierten

mit Peter Hahne, der zu Tränen gerührt war. Dann war aber wirklich genug. Dachte man.

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Illustration: Julia Schubert


Heutzutage packt jeder Halbprominente aus, der nicht mehr interessant genug für die Klatschblätter ist.

Nun erscheint im christlichen Adeo-Verlag seine Autobiographie "Zwei Leben". Der Verlag wirbt ganz pathetisch mit radikal ehrlichen Schilderungen eines jungen Mannes, der nichts mehr zu verlieren hat, sondern nur noch gewinnen kann. Mit einem Vorwort von Thomas Gottschalk und einem Nachwort von Michelle Hunziker. Warum Vor- und Nachwort so und nicht anders zugeteilt wurden, darüber kann man nur spekulieren.
 
Viel stärker drängt sich aber die Frage auf, warum jeder Mensch heutzutage eine eigene Biographie braucht. Der Unfall war tragisch, zweifellos. Dennoch ist er einer von vielen. Ist der Sinn einer Biographie nicht, einzigartige, herausragende Persönlichkeiten nach einem erfüllten Leben zu porträtieren und die Leser mit pikanten Details zu verköstigen, die der Öffentlichkeit bislang verborgen blieben?  

Der Verstand sagt ja, der Markt nein. Jeder Halbprominente packt aus, wenn er nicht mehr interessant genug für die Klatschblätter ist. Ex-Präsidentengattin Bettina Wulff zum Beispiel. Daniela Katzenberger. Daniel Küblböck. Dieter Bohlen. Und die ganzen Fußballer! Um nur einige zu nennen: Philipp Lahm, Oliver Kahn und Joachim Löw ließen sich bereits gebunden verewigen. So als würden sie ohne eigene Biographie nicht dazugehören.

Es ist leicht, sich über überflüssige Biographien lustig zu machen. Doch was zeichnet für dich eine lesenswerte Biographie aus? Was muss man geleistet haben? US Präsident werden? Apple gründen? 3096 Tage lang entführt werden? Wessen Biographie würdest du gerne lesen?

Text: vanessa-vu - Foto: o.H.

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