Wie gerecht ist unser Bildungssystem?

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Einfallsreich sind die verantwortlichen Politiker ja durchaus, wenn sie mal wieder mit Schultypen und Lehrplänen experimentieren. Aber werden dadurch wirklich Veränderungen erreicht, die Schülern und Lehrern in den letzten Jahren genutzt und für mehr Gerechtigkeit gesorgt haben? Bisher jedenfalls scheinen die zahlreichen Reformen in erster Linie für Verwirrung bei den Betroffenen gesorgt zu haben. Im Rahmen des Projektes „Die Recherche“ beschäftigten sich SZ-Redakteure daher mit den Fragen, wie Schulbildung in unserem Land derzeit aussieht und welche Verbesserungsvorschläge Lehrern, Schülern und Eltern sinnvoll erscheinen. Die Ergebnisse der Recherche gibt es seit gestern auf SZ.de sowie auf der Schul- und Hochschulseite der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Und sie geben Anlass, zu fragen, wie es um Bildungsgerechtigkeit in der Bundesrepublik bestellt ist.

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Illustration: Julia Schubert

Gleiche Chancen für alle? Schüler in Stuttgart auf dem Weg zur Schule

Neben der Schulbildung sind die Sozialisation und Erziehung im Elternhaus entscheidende Faktoren, die die Zukunft eines jeden Schulkindes bestimmen. Eben jene wiederum hängen eng mit dem Bildungsgrad (und Ehrgeiz) der Eltern und ihrer finanziellen Lage zusammen. In Deutschland wirkt sich der Bildungsvorteil, den Kinder reicher und gebildeter Eltern dadurch genießen, besonders stark aus. Dies liegt allerdings nicht nur an der Finanzlage der Familien. Der Startvorsprung von Akademikerkindern wird auch dadurch deutlich vergößert, dass ihre Leistungen tendenziell eher überschätzt werden, während vergleichbare Fähigkeiten von Kindern aus "niedrigeren" sozialen Schichten oftmals unterschätzt werden.
Anstelle von Strukturreformen muss daher eine Umgestaltung des Unterrichts und der Schule selbst treten, die nicht länger nur Lern- sondern auch Lebensraum für junge Menschen sein soll, um sie nachhaltig zu unterstützen. Insbesondere Schüler aus sozial benachteiligten Familien müssen mehr gefördert werden und die Chance erhalten, einen Bildungsgrad zu erreichen, der allein auf ihren Fähigkeiten aufbaut und nicht auf dem Kontostand und Beruf ihrer Eltern. Auch die Lehrer spielen hierbei eine wichtige Rolle als Motivationsquelle und sollten sich im Idealfall nicht dazu verleiten lassen, Schüler aufgrund ihrer sozialen Herkunft zu etikettieren.    

Nicht das System sondern die Schulbildung an sich und der Umgang mit Kindern und Jugendlichen aus finanziell schwachen Familien scheint renovierungsbedürftig. Und vielleicht ist es in diesem Zusammenhang auch nötig, sich von alten Mustern zu verabschieden, statt sie mit neuen Namen zu tarnen und beizubehalten. Gerechter kann Bildung nur werden, wenn sie weiter entwickelt wird und alle Schüler eingebunden werden - vor allem eben auch diejenigen, die im Elternhaus keine wirkliche Förderung erfahren. Klingt reichlich utopisch aber erst dann lässt sich doch wirklich von Bildungsgerechtigkeit sprechen oder etwa nicht? Wie beurteilt ihr die Situation an deutschen Schulen? Und welche Verbesserungsvorschläge habt ihr?

Text: lisa-freudlsperger - Foto: dpa

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