Wie werden sie später von uns reden?

Manchmal sitzt man da und fragt sich: Bedeutet die Zeit, in der wir leben wirklich soviel, wie wir denken?
peter-wagner
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Illustration: Julia Schubert



Es geht ja gar nicht anders, man muss sich wichtig nehmen, sonst wäre das Leben ja ein Abklatsch, etwas nur halb Wertvolles. Wenn im Fernsehen vom wärmsten Tag seit jemals die Rede ist, wenn eine Jahrhundertflut oder eine Weltneuheit oder eine vollkommen neue Entwicklung verkündet wird, dann immer auch, weil man sich selbst adeln will. Man will irgendwie in eine Zeit gehören, die was erfunden hat, in der sich was getan hat. Ein recht normaler Effekt, vermutlich. Der Mensch soll sich ja ernst nehmen. Aber gehen wir mal ein paar Jahre voraus und schauen zurück. Sagen wir, es ist das Jahr 2111 und hundert Jahre sind vergangen. An der Humboldt Universität in Berlin kann man vielleicht immer noch studieren. Vielleicht sogar Geschichte. Ich versuche mir ein Seminar in diesem Jahr vorzustellen, in dem es um die Zeit um 2011 herum geht. Wie wird sie wohl genannt werden? Wird sie bedeutsam gewesen sein, von wegen Rettungsschirm, Eurozone, Gaddafi und Fukushima? Oder werden sie das bis dahin (und das ist wahrscheinlich): vergessen haben? Wie werden sie später von uns reden? Ist es überhaupt wichtig, sich in die Geschichtsbücher gelebt zu haben?

Text: peter-wagner - Foto: dapd

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