"Wir machen das jetzt so, basta!"

Im Kopenhagener Zoo wurden nach Giraffe Marius jetzt vier Löwen geschlachtet - wiederum wurde diese unpopuläre Entscheidung aus Platz- und Zuchtgründen gefällt. Mit welcher Entscheidung hast du dich mal sehr unbeliebt gemacht?
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Marius! Man muss den Namen nur aussprechen und manch einer fängt gleich das Weinen oder das Schimpfen an. Denn Marius, so hieß die junge Giraffe aus dem Kopenhagener Zoo, die geschlachtet und an die Löwen verfüttert wurde. Tierschützer waren empört, die Zooleitung verteidigte das Vorgehen, da das Genmaterial der Giraffe das Inzuchtrisiko erhöht und die gesunde Zucht gefährdet hätte. Jetzt ist im gleichen Zoo eine ähnlich unpopuläre Entscheidung getroffen worden: Zwei alte Zuchtlöwen wurden geschlachtet, weil ein „Generationenwechsel“ vollzogen werden soll. Für die beiden Alten ist schlicht kein Platz mehr. Was aber die Tierschützer, ähnlich wie bei Marius, wohl wieder am meisten in Wallung bringen wird, ist die Tatsache, dass auch zwei zehn Monate alte Löwenbabys getötet wurden. Sie wurden durch die Schlachtung des alten Löwenpaares zu Waisen und hätten ohne sie nicht überleben können.  

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Illustration: Julia Schubert



Der Kopenhagener Zoo hat nun also schon zwei Mal eine pragmatische, für seine Belange logische und folgerichtige Entscheidung getroffen. Aber Freunde macht man sich natürlich nicht, wenn man Babygiraffen mit Kulleraugen und kleine flauschige Löwen tötet, denn die sind, das ist Common Sense in der emotional aufgeladenen Bevölkerung, total niedlich und schützenswert! Was für ein Glück, dass man als Nicht-Zoo-Direktor so gut wie nie über Babytiere richten muss. Aber trotzdem fällt man manchmal Entscheidungen, mit denen man sich unbeliebt macht.  

Ein Ort für Entscheidungen, die zu Ärger führen können, ist zum Beispiel eine WG. Wenn ein Mitbewohner beschließt, dass ein anderer gehen muss, weil man nicht (mehr) so gut zusammenleben kann, zum Beispiel. Oder wenn es um Einrichtung, Partys oder den Putzplan geht. Sobald einer ein Machtwort spricht und beschließt: „So wird es jetzt gemacht!“, kann es gut sein, dass mindestens zwei mit den Augen rollen. Gefährdete Entscheider sind auch die Fahrer bei Partys. Als einzige nüchtern, sagen sie irgendwann „Wir fahren jetzt!“ und stehen als Spielverderber da. Aber auch überall sonst kann es passieren, dass man sich mit dem, was man für richtig hält, Kritik einhandelt – und vorher schon weiß, dass es so kommen wird.  

Hast du schon mal eine unpopuläre Entscheidung getroffen? Wann und wo hast du dich mit einem Machtwort unbeliebt gemacht? In der Familie? Bei der Planung des Abiballs? Im Job? Und bist du gut darin, Entscheidungen zu treffen, mit denen du dir keine Freunde machst, oder scheust du den Konflikt?

Text: nadja-schlueter - Foto: dpa

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