Wo kommst du eigentlich her? Und wo fängt Diskriminierung an?

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Ich hatte vor kurzem eine interessante Diskussion mit einem guten Freund. Es ging um die Frage: „Wo kommst du eigentlich her?“ Der Freund von mir, er ist dunkelhäutig, ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Ich bin mit fünf Jahren nach Deutschland gezogen. Unserem Pass nach sind wir beide Deutsche, wir sprechen Deutsch als erste oder zweite Muttersprache, wir leben hier so "deutsch" (was immer das auch sein mag) wie alle anderen auch. Nur eben mit dem so genannten Migrationshintergrund in der Biographie. Trotzdem lässt es sich natürlich nicht vermeiden, dass man ab und an auf eben diesen, vor allem wenn er sichtbar ist, angesprochen wird. Den Freund von mir stört es zum Beispiel sehr, wenn man ihn fragt: „Wo kommst du eigentlich her?“ Noch mehr, wenn man ihm das ja irgendwie gut gemeinte Kompliment macht: „Du sprichst aber echt gut deutsch, Respekt!“ Mir passiert das auch manchmal, und oft kann in solch einem Moment den Reflex in mir nicht aufhalten, den Fragenden als einen Vollidioten abzustempeln.

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Illustration: Julia Schubert

Dabei steckt hinter der Frage ja in den meisten Fällen nicht Xenophobie, sondern schlichtweg Neugier. Es ist legitim, jemanden nach seiner Herkunft zu fragen, schließlich will man auch von anderen Leuten wissen, welche Berufe sie ausüben und was sie gerne essen. Ein Norddeutscher würde einen Süddeutschen auch fragen, aus welcher Stadt er kommt. Ist „Wo kommst du eigentlich her?“ also diskriminierend oder nicht? Wie siehst du das? Fragst du jemanden, der eine andere Hautfarbe hat, sofort aus welchem Land er kommt? Stellst du die Frage absichtlich nicht, um nicht eventuell ins Fettnäpfchen zu treten – obwohl es dich interessiert? Ist es überempfindlich, wenn man auf so eine Frage allergisch reagiert?

Text: xifan-yang - Bild: benetton

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