Würdest du mit einem Paar zusammenwohnen?

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Bei WG-Castings ist es eigentlich ein unausgesprochenes Ausschlusskriterium: Ist der Bewerber/die Bewerberin zu attraktiv, lässt man sie lieber nicht einziehen. Meistens wird das formal mit einem "Ich hatte irgendwie ein schlechtes Bauchgefühl" getarnt, abends bei der Casting-Nachlese mit der WG kommt dann aber doch irgendwann raus, dass der Partner mit der Wahl vielleicht (zurecht!) unglücklich gewesen wäre.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Wer mit einem Paar zusammenwohnt zieht immer den Kürzeren, wenn es um den Putzplan geht. Oder?

Nun gibt es aber auch WGs, in denen die Bewohner Singles sind oder von dieser unausgesprochenen Regel funktionierender Beziehungen noch nie gehört haben und dann passiert es: Aus zwei Mitbewohnern wird ein Paar. Anfangs ist das für alle noch irgendwie spannend ("Hihi, der Michael ist gestern Nacht in Boxershorts aus dem Zimmer der Konny rausgekommen"), aber gerade in Dreier-WGs geht so eine Kombination meistens nicht lange gut. Denn auf einmal beschließt das Paar im Alleingang, den Flur toskana-rot zu streichen, blockiert für gemeinsame Kochabende stundenlang zu zweit die Küche und befiehlt über den Putzplan. Die ständige Kombination "zwei-gegen-einen" kann dabei langfristig sehr zermürbend sein, da der nicht in das Paar integrierte Mitbewohner in Diskussionen immer den Kürzeren ziehen wird. Und wenn sich mal jemand aus der Paar-Fraktion auf die Seite des Einzelkämpfers stellt, ist das meistens auch nicht gerade von Vorteil für die WG-Stimmung ("Aha, du magst also auch kein Soja-Geschnetzeltes. DAS hättest du mir auch vorher sagen können, bevor ich mir hier Mühe mache").

Die einzige Schlussfolgerung aus dieser Dauermisere wäre, einfach auszuziehen, wenn das Paar nervt. Allerdings gibt es gerade auf dem Wohnungsmarkt in Großstädten immer wieder Situationen, die das gar nicht so einfach machen. Außerdem widerstrebt es einem ja auch innerlich, die schöne Drei-Zimmer-Altbau-Wohnung einfach aufzugeben, nur weil die beiden Mitbewohner füreinander entbrannt sind.

Besagter überlaufender Wohnungsmarkt führt übrigens ebenfalls dazu, dass Menschen freiwillig bei einem Paar einziehen. Denn oft vermieten diese aus Geldnot ein Zimmer unter und meistens in gar nicht so schlechten Wohnungen. Allerdings muss man dann damit leben, sich stets wie ein Eindringling zu fühlen, wenn das Pärchen Abends gemütlichen DVD-Abend machen wollte und man selbst noch Nudeln mampfend die Couch blockiert. Aber ist es das wert?

Wie sind denn eure Erfahrungen mit Pärchen-WGs? Lehnt ihr so etwas als Wohnkombination von vorneherein ab oder habt ihr damit auch gute Erfahrungen gemacht? Seid ihr vielleicht schonmal irgendwo ausgezogen, weil die Drittes-Rad-am-Wagen-Situation zu sehr belastete? Oder seid ihr sogar selbst Teil eines WG-Pärchens - wenn ja, wie funktioniert das Zusammenleben bei euch?


Text: friederike-vonhelden - Foto: Thomas K. / photocase.com

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