Zieht endlich aus!

Zwei Drittel aller 18- bis 26-Jährigen Männer wohnen noch bei Mama. Kann das sein?
philipp-mattheis
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Illustration: Julia Schubert

Das allererste, was ich nach dem Abitur in Angriff nahm, war die Suche nach einer eigenen Wohnung. Nicht, dass es daheim besonders schlimm gewesen wäre, im Gegenteil – „Hotel Mama“ hatte selbstverständliche große Vorzüge in Form von alltäglichen Dienstleistungen und regelmäßigen, sehr schmackhaften Mahlzeiten. Da ich aber unbedingt, so etwas wie ein „selbst bestimmtes Leben“ führen wollte, tauschte ich das große Zimmer im Haus mit Garten gegen ein dunkles Mietsloch in der Stadt und ernährte mich das folgende Jahr von Käseschinken-Toast und Zitroneneistee. Trotzdem habe ich diese Entscheidung nie bereut. Vielleicht wundere ich mich deswegen so sehr, über die kleine Meldung, die gestern in der Süddeutschen Zeitung stand. Darin hieß es „Fast zwei Drittel der Männer im Alter von 18 bis 26 Jahren leben laut dem Statistischen Bundesamt noch bei den Eltern. Von den ledigen Frauen bleiben 47 Prozent bei Mama – früher waren es nur 41 Prozent.“ Das klingt nach italienischen oder spanischen Verhältnissen, wo viele erwachsene Kinder bis zur Heirat bei den Eltern wohnen bleiben. Ich kann es kaum glauben, in meinem Bekanntenkreis waren spätestens mit 22 bis auf ein paar Ausnahmen alle ausgezogen. Ich vermute hinter diesen Zahlen einen Statistiktrick – viele bleiben ja trotz eigener Wohnung noch bei ihren Eltern gemeldet, weswegen dann solche Zahlen entstehen. Vielleicht täusche ich mich aber auch. Wie ist das bei dir? Wie viele deiner Freunde leben noch daheim? So grob geschätzt...

Text: philipp-mattheis - Foto: dpa

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