Erzähl! Wie war's?

Wir haben Rückkehrer am Münchner Flughafen gebeten, von ihrer Reise zu berichten - acht Geschichten über den Rapper RZA, eigenbrötlerische Nepalesen oder einen Fast-Absturz in Kanada.
michael-mettke

"Das Schönste? Als die Kinder mitgesungen haben" David, 28, kommt aus Djibouti (Äthiopien) nach Hause

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Illustration: Julia Schubert

„Ich habe am Goethe Institut in Äthiopien deutsche Workshops am Lycée Francaise gegeben. Mich hat die Brüderlichkeit der Menschen da unten fasziniert. Da lächelt man sich einfach auf der Straße an, auch so von Mann zu Mann. Und alles ist so sicher dort! Ich habe weder Gewalt noch Raub erlebt. Das Schönste war, als ich am letzten Tag in der Schule ein deutsches Lied angestimmt habe und alle Kinder anfingen, mitzusingen, obwohl die meisten gar kein Deutsch konnten. Sie haben sich einfach hineingefühlt, ganz jenseits der Sprache. Das intensivste Erlebnis ist eigentlich: Von außen wieder nach Deutschland zu kommen. Gerade stand in der Schlange eine afrikanische Frau vor mir, die Angst hatte, ihren Weiterflug zu verpassen. Ich sagte der Frau hinter dem Schalter, dass man diese Frau bitte durchlassen sollte, damit sie sich nicht verspätet – die winkte aber abschätzig ab. Zwei Minuten später hatte eine deutsche Frau dasselbe Problem - die wurde dann plötzlich ganz freundlich vorgeholt. Irgendwie ist das echt traurig.“ *** "Auf dem Trip habe ich meinen Blackberry verloren" Kai, 35, kommt gerade aus Miami (USA) nach Hause

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Illustration: Julia Schubert

„Ich bin Moderedakteur und war in Miami auf der Art Basel. Wir haben eine Modestrecke für die Glamour und eine für die italienische Vogue gemacht. Es war faszinierend und interessant, die gesamte Mode- und Kunstszene mal auf einem Haufen zu erleben. Das Beste war auf jeden Fall, nachts mit einem kleinen Motorboot nach Down Town Miami zu fahren. Wir sind in ein Restaurant geschippert, das man nur durch direktes Anlegen erreicht. Auch toll war es bei der Another Magazine Party auf der Delano Dachterrasse. Die Skyline hat mich umgehauen! Leider habe ich auf dem Trip meinen Blackberry verloren. Jetzt stelle gerade fest, wie behindert man ohne so ein Ding ist.“ *** "Gerade bin ich fast ums Leben gekommen." Johann, 29, ist Schwede. Er kommt gerade aus Toronto und fährt in die Schweiz.

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Illustration: Julia Schubert

„Ich bin professioneller Freestyleskifahrer und reise eigentlich immer dem besten Schnee hinterher. Gerade bin ich beinahe bei einem Helikopterunfall ums Leben gekommen: Beim Heliskiing flogen wir auf einen Gipfel - leider war der Pilot anscheinend noch nicht so erfahren im Schnee. Er hatte massive Probleme mit der Landung, es ratterte und rutschte und beinahe wäre das ganze Ding umgefallen und über die Felsen geknallt. Das war so verdammt gruselig! Aber jetzt geht’s erstmal in die Schweiz.“


"RZA war so, wie man ihn sich vorstellt." Sebastian, 28, kommt gerade aus New York nach Hause

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Illustration: Julia Schubert

„Ich habe in New York RZA, den Gründer des Wu-Tang Clan getroffen. Wir haben uns in einer Galerie verabredet, um über ein gemeinsames Schuhe&Accessoires-Designprojekt zu sprechen. Ich habe nämlich eine eigene Schuhmarke namens Nat-2. Der Typ war auf jeden Fall genauso, wie man ihn sich vorstellt. Oldschool Gangster Rapper, weite Hosen, total verpeilt und abgebrüht. Nachts in Harlem in Clubs gehen war übrigens auch super. Das Highlight war allerdings, dass wir spontan Zugang auf das Dach eines alten Fabrikgebäudes bekommen haben. Eigentlich wollten wir nur irgendwo unsere Schuhe fotografieren. Weil die Location aber so wahnsinnig gut war, haben wir gleich ein Video draus gemacht. Im Hintergrund sieht man über ganz Manhattan.“ *** "Auf den Bahamas haben wir uns eine 550 PS Corvette geliehen." Marco, 25, kommt gerade aus Miami nach Hause

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Illustration: Julia Schubert

„Ich war für einen Sprachkurs in Miami. Krass war dieser Bodytrend da! Die achten alle so auf ihre Fitness, das ist unglaublich! Ich habe mir ein tolles Fahrrad gekauft und sehr viele Menschen kennengelernt. Spannend waren die verschiedenen Religionen, das ist da ja viel präsenter als hier. Das Beste war aber wahrscheinlich der Trip nach Key West. Ich habe mir mit drei Jungs ein Cabrio gemietet und bin losgefahren. Wir haben nur Party gemacht. Orlando und die Bahamas waren auch super. Auf den Bahamas haben wir uns eine 550 PS Corvette geliehen. Und bei einem Footballspiel war ich mit Jennifer Lopez und Naomi Campbell im Stadion. Leider habe ich aber nicht direkt neben ihnen gesessen, die waren ja in der VIP Lounge.“ "Da sind Maschinen zusammengebrochen - aber die wollten es so." Thomas, 25, kommt gerade aus Nepal nach Hause

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"Ich habe Apfelsaft gepresst, fast jeden Tag, zweieinhalb Monate, im Rahmen eines BWL-Projektes der TU München. Eigentlich ging es um Produktionsstrukturen. Wir kamen da mit einem sehr ausgeklügelten Plan an. Den konnten wir direkt mal wegschmeißen. Die Nepalesen lassen sich da nicht reinreden, die haben ihre eigenen Methoden. Nämlich: einfach drauf los machen. Schnell und sofort! Da sind Maschinen zusammengebrochen, da musste repariert werden – aber sie wollten es so. Zum Schluss habe ich mit einem Freund zusammen einen Guide gemietet und eine Trekking Tour gemacht. Wir haben nachts bei minus 15 Grad und Schneesturm auf der Spitze eines Berges geschlafen. Unglaublich. Die Nepalesen sind sehr nett und höflich. Und ich habe Bekanntschaft mit Exiltibetern gemacht! Die verdienen ihr Geld dadurch, dass sie Touristen Ketten verkaufen - so eine, wie ich sie trage. Die sind verrückt, aber liebevoll.“


"Ich habe Barack Obama gesehen" Stefan, 34, aus Niederösterreich kommt gerade aus Boston.

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Illustration: Julia Schubert

„Ich habe zwei Monate im Rahmen eines Austauschprojektes am MIT (Massachusetts Institute of Technology) studiert. Am meisten wird es mir in Erinnerung bleiben, Barack Obama gesehen zu haben. Der hat dort einen Vortrag gehalten. An einer Elite-Uni wie dem MIT ändern sich plötzlich die Relationen: Man fühlt sich neben all den schlauen Menschen plötzlich sehr dumm. Es gibt, glaube ich, auf der ganzen Welt keinen anderen Ort mit einer so großen Dichte an Gehirnzellen. Und sonst: An Thanksgiving saß ich im Starbucks und es war arschkalt draussen. Plötzlich joggt ein nackter Typ vorbei, nur mit grüner Unterhose und Turnschuhen. Das war lustig. Ich freu mich zwar wieder in Europa zu sein, aber als ich gerade aus dem Gate gekommen bin, dachte ich mir einfach nur: Oh Gott, lauter Deutsche!“ *** "Mit 200 Sachen rasen die durch Kuwait City" Sebastian, 31, kommt gerade aus Kuwait nach Hause

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„Ich habe jetzt acht Tage lang einen Freund in Kuwait besucht. Der arbeitet da bei Mercedes-Benz. Wir haben Ausflüge in die Wüste gemacht und an einer Rallye teilgenommen. Die Leute sind dort noch besessener von ihren Autos als in Deutschland. Mit 200 Sachen rasen die in ihren aufgetunten Autos durch Kuwait City und finden’s geil. Was genervt hat, war, dass man in Kuwait keinen Alkohol kaufen kann, wenn man keine Connections hat. Ach ja, und Frauen lernt man dort auch keine kennen. Das kann man total vergessen!“

Text: michael-mettke - und Mercedes Lauenstein; Fotos: mm, ml

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