Wir haben verstanden! KW 06

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Illustration: Julia Schubert

Monatelang mit der These hausieren gehen, dass Schwangerschaften jetzt ja wohl wieder total in sind, und dann feststellen, dass man wahrscheinlich einfach nur langsam in das Alter kommt, in dem das naturgemäß ziemlich in ist. Wenn die Temperaturen unter null sinken, will man eigentlich nur noch eins: essen. München ist schon deshalb die beste Stadt, weil sie geographisch so ziemlich genau im Zentrum Europas liegt und man so schnell überall hinkommt, wo es schön ist. Man muss zum Aufwachen viel öfter ausländisches Radio hören, das versetzt den Körper nämlich in einen kurzen Instant-Urlaubsrausch. In Berlin sind sogar die Zettel aggressiver als in München.

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Illustration: Julia Schubert


Immer dasselbe: Hat man den Regenschirm dabei, regnet es nicht, vergisst man ihn, regnet es. Kauft man eine Fahrkarte, kontrolliert einen keiner, kauft man keine, wird man erwischt. Super Sache: Die Waage wegschmeißen. Voll der olle und doch so gute Leitungswasser-Pimp-Trick: Bisschen frische Zitrone reinpressen und voilà, it's a drink. Das beste Getränk der Welt kann jetzt auch betrunken machen. Ein anderes gutes Getränk nervt mittlerweile allerdings ziemlich. Der Sprecher von Pegida-Wien hat mal eine Single namens "Genocidium" rausgebracht. Weißte auch, woran du bist. Ungeahnte Radikalkonfrontation mit der eigenen Sterblichkeit: Sich, bevor man wieder einmal drei neue Bücher bestellen will, aus purem Interesse mal ausrechnen, wie viele Jahre man beim derzeitigen Lesetempo bräuchte, die bereits vorhandenen, ungelesenen Bücher des eigenen Bücherregals zu lesen. Wenn Leute, an die du dich nicht erinnern kannst, in einer anderen Stadt deinen Freunden schlechte Sachen über dich erzählen, dann verteidigen deine Freunde dich. Und dann weißt du, warum sie deine Freunde sind. Man kann nur mit Wikipedia im Wald überleben. Sich teure Klamotten so lange mit der Möglichkeit schön reden, dass es ja auch hätte sein können, dass man jetzt einen Unfall gebaut oder ungeahnt irgendwelche fiese Strafen hätte zahlen müsste (dann wäre das Geld auch weg und man hätte noch nicht mal was davon!), bis man wirklich mal einen Unfall baut oder fiese Strafen zahlen muss und dann eben keine schöne Tasche hat. Manchmal kann man nichts machen und kann auch nirgendwo hingehen. Manchmal muss man nämlich einfach ein bisschen wohnen. Keine Ahnung, wo genau Mut anfängt – aber wenn man bei Minusgraden und mit eingefrorener Hinterradbremse mit dem Rad zur Arbeit fährt, dann fühlt man sich zumindest ein bisschen mutig! Einem Floristen zu sagen, dass man den Strauß bitte ohne Grün und nicht unten abgeschnitten und nicht fest gebunden haben möchte, tut jedes Mal wieder so weh, wie einem motivierten Friseur sagen zu müssen, dass man bitte wirklich nur die untersten Spitzen geschnitten haben möchte und sonst nichts und bitte auch selber fönen. Aber leider ist es so halt meist doch am schönsten.

Text: jetzt-verstanden - Bild: Katharina Bitzl

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