belohnung studie
Bild: simonthon/photocase

Beim Lernen kommt es auf die Motivation an. Und auf die Umgebung, das soziale Umfeld, das Angst- und Stresslevel. Der Lernerfolg hängt von den genannten Faktoren ab – aber auch davon, ob man ein gutes Ergebnis honoriert oder nicht. Nur nicht ganz so, wie man vielleicht annehmen würde. Belohnungen sind zum Beispiel nicht hilfreich. Regensburger Forscher haben herausgefunden, dass unser Langzeitgedächtnis Informationen nicht aufnimmt, wenn wir uns eine Belohnung in Aussicht stellen.

Das Team um Professor Christof Kuhbandner hat 60 Probanden zwischen 19 und 33 Jahren getestet. Sie mussten Deutsch-Suaheli-Vokabeln lernen, die in einem Test abgefragt wurden. Die erste Gruppe wurde vorab bestochen: Für jedes richtig gelernte Wort bekamen die Teilnehmer einen Euro. Gruppe zwei wurde nichts versprochen. Die Manipulation zeigte Wirkung – nach zwei Wochen wurden die Versuchspersonen erneut geprüft: Gruppe eins erinnerte sich an deutlich weniger Vokabeln als die nicht bestochenen Probanden. 

jetzt: An den Universitäten herrscht gerade Prüfungszeit. Ist es falsch, sich eine Belohnung fürs Lernen in Aussicht zu stellen? 

Christof Kuhbandner: Das hängt ganz davon ab, was das eigentliche Ziel des Lernens ist. Allgemein können Menschen natürlich durch das Versprechen äußerer Belohnungen oder Bestrafungen dazu motiviert  werden, etwas zu tun. Insofern kann Lernen allgemein durch eine Belohnung motiviert werden. Allerdings ist die Frage, wie dann gelernt wird. Wenn man nur etwas tut, um dafür etwas zu bekommen, ist das Wissen weniger tief und reflektiert, als wenn aus ernsthaftem Interesse gelernt wird.

Ihre Studie belegt, dass eine Belohnung den langfristigen Lernerfolg negativ beeinflusst. Was genau passiert da im Gehirn?

Das Gehirn ist hier eigentlich die falsche Erklärungsebene. Der negative Effekt von materiellen Belohnungen hat mehr mit deren Einfluss auf die Motivation zu tun. Wenn man wie in unserer Studie für jede richtig erinnerte Vokabel bezahlt wird, versuchen die Menschen, ihren Gewinn in diesem Test zu maximieren. Das kann dazu führen, dass man versucht, Vokabeln zu erraten, wenn sie einem nicht mehr einfallen. Damit werden aber die noch fragilen Verknüpfungen zwischen den Wörtern gestört und man baut langfristig Fehler in sein Wissen ein. Der Wunsch, möglichst gut abzuschneiden, kann irrelevante Gedanken aktivieren, etwa: "Wie viel Geld habe ich schon?" Une die können den Wissensabruf zusätzlich stören. Langfristig kommt noch dazu, dass man das Lernen nach dem Test sozusagen abhakt, wenn in Zukunft keine weiteren Belohnungen mehr in Aussicht gestellt werden. 

Wie genau kommt es dazu, dass Informationen im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden?

Beim Lernen unterscheidet man zwischen einer oberflächenorientierten Einspeicherung, wie etwa das Auswendiglernen, und der tiefenorientierten Aufnahme von Informationen. Das passiert dann, wenn man zum Beispiel etwas mit seinem Vorwissen verknüpft. Je tiefer ein Lerninhalt verarbeitet wurde, umso langfristiger sind die Inhalte im Gedächtnis gespeichert. Wenn man sich nur wegen einer Belohnung motiviert, werden typischerweise weniger Informationen tiefenorientiert gespeichert. Man macht dann praktisch nur das, was notwendig ist, um die Belohnung zu bekommen. Und damit bleiben Inhalte weniger tief und lang im Gedächtnis.

Haben Sie in ihrer Studie individuelle Lern- und Gedächtnisleistungen berücksichtigt? 

Persönlichkeitsmerkmale wurden in unserer Studie leider nicht erhoben. Wir vermuten aber, dass die Wirkungen von materieller Belohnung relativ unabhängig von solchen Einflussfaktoren sind. Denn es handelt sich hier um grundlegende motivationale Mechanismen. Und die sind eigentlich bei allen Menschen zu finden.