2400 Euro brutto für den Instrumentenmacher

Wer ein von Dominik, 26, handgemachtes Metallblasinstrument will, muss neben viel Geld auch viel Zeit mitbringen.
Protokoll von Christoph Söller

Dominik macht eine Ausbildung zum Blechinstrumenentenbauer.

Foto: privat; Bearbeitung: jetzt

Der Weg zum Job

Ich spiele schon sehr lange Flügelhorn und habe nach dem Abi Musikpädagogik studiert, mit Hauptfach Trompete.  Nach dem Bachelor hatte ich mir überlegt, dass es sicherlich kein Fehler ist, ein Handwerk zu lernen. Ich wollte etwas lernen, das meinem Studium nahe liegt, deswegen habe ich diese Ausbildung gemacht. Mit anderen Instrumenten kenne ich mich nur theoretisch aus, aber Blechblasinstrumente kann ich selbst spielen. Mein Beruf heißt offiziell Metallblasinstrumentenmacher.

Der typische Arbeitstag

Ich arbeite in einer Manufaktur, in der jeder einen Arbeitsschritt übernimmt. Ein Kollege baut nur Schallstücke, ein anderer lötet die Stücke zusammen, der nächste poliert die Instrumente… Der Vorteil daran ist, dass die Qualität immer gleich bleibt, weil jeder auf sein Gebiet spezialisiert ist. Wir bauen zum einen neue Instrumente, die bei uns in Auftrag gegeben werden, zum anderen reparieren wir auch Metallblasinstrumente. Die meisten Instrumente, die wir bauen, sind Waldhörner, Trompeten, Baritone, Wagnertuben, aber auch Parforcehörner. Bis ein Instrument fertig ist, dauert es mehrere Tage. Die Wartezeit für ein Instrument liegt derzeit bei fast einem Jahr.  Es gibt eigentlich nicht den typischen Arbeitstag, weil der Tagesablauf immer davon abhängt, welches Instrument gebaut wird oder welche Instrumente in die Reparatur kommen.  

Das Besondere an diesen Instrumenten

Zwei Trompeten oder zwei Flügelhörner einer Marke klingen nie exakt gleich. Für den Klang gibt es unterschiedliche Faktoren – es gibt so viele Beschreibungen für Klänge wie es Emotionen gibt. Manche Musiker wollen scharfe, schmetternde, euphorische Klänge, andere wollen eher weiche, melancholische Töne. Das kommt auf den Musiker an, aber man kann es auch am Instrument steuern. Das funktioniert über die Mensur, also die Abmessung und die Maßverhältnisse eines Instruments. Die Mensur bestimmt die Charakteristik eines Klangs, sie ist sehr filigran. Wenn nur eine kleine Beule am Instrument ist, dann verändert sich die Mensur minimal und damit auch der Klang. Und weil in Deutschland Instrumentenbau reine Handarbeit ist, kann man nie garantieren, dass zwei gleiche Instrumente auch exakt gleich klingen. Es gibt immer minimale Unterschiede. Das heißt nicht, dass das eine Instrument schlechter ist als das andere, aber jeder Musiker sucht eben etwas eigenes. Ein Jazzmusiker will oft scharfe Klänge, ein Orchestermusiker will eher sanfte Töne. Es kommt auf das persönliche Gefühl an. Wenn ein Musiker das Instrument anspielt, spürt er eher, ob es für ihn der richtige Klang ist. Ich vergleiche das gerne mit Harry Potter, als er bei Mr. Ollivander steht und seinen Zauberstab kaufen will. Das Instrument sucht sich den Musiker. Wie, ist nicht immer klar.  

Die Ausbildung

Azubis müssen erst einmal Reparaturen machen. Meistens ist das die Innenreinigung eines Instruments, das funktioniert über verschiedene chemische Bäder. Oftmals muss man auch Dellen ausbessern, den Lack erneuern, Lötstellen reparieren oder das Instrument aufpolieren. Manchmal muss die Maschine wieder „gangbar“ gemacht werden, wenn die Ventile durch Feuchtigkeit, zum Beispiel durch Speichel, verkalkt sind. Bei jedem Instrument gibt es ein anderes Problem. So lernt man durch die Reparaturarbeiten schon viele Handgriffe, die man später braucht. Unserem Meister ist es wichtig, dass wir viel selbstständig machen und vieles selbst entscheiden. Aber wir bekommen auch Hilfestellung von erfahrenen Kollegen, wenn wir mal selbst nicht weiter wissen.  

Der Stressfaktor

Wir haben eine ruhige, gute Arbeitsatmosphäre. Es kommt eigentlich nicht vor, dass einem Stress gemacht wird, der Umgang ist sehr konstruktiv.  Wir können uns den Luxus leisten, uns selbst keinen Zeitdruck zu machen. Qualitätsdruck ist natürlich immer gegeben, weil ich bei einem Weltmarktführer arbeite, da kann man sich keine kleinen Beulen oder Kratzer im Instrument leisten. Nach jedem Arbeitsschritt gibt es eine Qualitätskontrolle.  

Die besonderen Momente

Die Endkontrolle ist immer ein besonderer Moment, wenn das fertige Instrument angespielt wird. Es ist immer schön, wenn ich viele verschiedene Instrumente ausprobieren kann, auch alte Instrumente oder sehr seltene Instrumente, die in die Reparatur kommen. Ein Blechblasinstrument spielen zu können, also Trompete oder Flügelhorn zum Beispiel, ist keine Voraussetzung, aber es ist natürlich ein großer Vorteil. Viele berühmte Musiker, zum Beispiel die Berliner Symphoniker, die bei uns ein Instrument in Auftrag gegeben haben, kommen auch immer mal wieder zum Bauprozess, um zu sehen, wie ihr Instrument entsteht, um es Probe zu spielen und eventuell Sonderwünsche zu äußern.  

Das Geld

Als Azubi im letzten Lehrjahr verdiene ich 870 Euro brutto. Als Geselle kann man im Monat 2400 brutto verdienen. Manche machen sich als Meister auch selbstständig. Wenn man dann gute, hochwertige Instrumente baut, kann man natürlich mehr verdienen. Allerdings ist es nicht einfach, sich mit Instrumentenbau einen Namen zu machen, der in der Musiker- und Orchesterszene bekannt wird.  

 

Die Aussichten

Ein Job als Geselle zu finden ist nicht schwer. Metallblasinstrumentenmacher sind gesucht, aber man muss flexibel sein, was den Wohnort angeht.  Es gibt drei Zentren in Deutschland für Blechblasinstrumente, eines davon ist der sogenannte Musikwinkel im sächsischen Vogtland. Ein weiteres ist in der Nähe von Neustadt an der Aisch, Ansbach und Nürnberg, auch dort gibt es viele Betriebe. Das dritte liegt in Geretsried südlich von München.    

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

Die Nicht-Musiker sagen eigentlich immer: „Ahh cool – spielst du auch ein Instrument?“ Viele können sich auch nicht vorstellen, wie aus einem Stück Blech ein Instrument wird, da fang ich dann immer an, ein bisschen den Bauprozess zu erkläre. Und diejenigen, die selbst ein Blechblasinstrument spielen, vor allem Leute, die selbst in einem Orchester spielen, erzählen oft, welche Probleme sie mit ihren Instrumenten haben. So kommt man leicht ins Gespräch.